Teddy Awards 2017

Teddy Awards 2017 – die weltweit wichtigsten queeren Filmpreise wurden auf der Berlinale vergeben. Die gut durchgemischte, internationale lgbti-Jury aus „queeren programmern“ hat ohne Ansehen des Geschlechts die herausragenden queeren Filme der Berlinale 2017 gewählt - und dabei kam diesmal eine absolut ungewöhnliche l&t-Präsenz heraus.

Teddy für wirklich herausragenden Dokumentarfilm:

Ein wirklich herausragender Film ist der diesjährige Dokumentarfilm-Teddy-Gewinnerfilm „Small Talk“. Außergewöhnlich liebevoll, mutig, ehrlich und hartnäckig ist die taiwanesische Regisseurin Hui-chen Huang daran gegangen, sich selbst zu offenbaren und ihre sprachlose Mutter, einen lesbischen „Tomboy“, damit zu konfrontieren, dass sie sich immer fragte, ob sie je von ihr geliebt wurde. Im Film wird sichtbar, wie die jahrelangen Dreharbeiten zum neuen Kommunikationsmedium wird. Das verändert die strikten Traditionen einer Gesellschaft mit Redeverboten. Beredet ist daher auch die Reaktion dieser quasi sprachlosen Mutter auf die Premiere des Filmes: Zwar nichts dazu sagen zu können, aber gute Laune zu zeigen und sofort ein wunderbares Essen zu kochen. Der Film ist nicht nur ein vielschichtiges Porträt dieser Mutter mit einem ungewöhnlichen Gender, die ihre Töchter aus einer Zwangsehe hat, sondern zeigt eine intergenerationelle Entwicklung über vier Generationen von Müttern und Töchtern, die verschiedener struktureller und persönlicher Männergewalt ausgesetzt waren, und auch wenn sie dieses grausame Erbe an ihre Töchter zum Teil weitergeben, haben sie dennoch auch immer deren Freiheit unterstützt.

Herausragender Star im Spielfilm-Teddy:

„A fantastic woman“ von Sebastian Lelio aus Chile, der mit dem Teddy für den besten Spielfilm ausgezeichnet wurde, hat ebenfalls Leuchtturmcharakter: Denn die charismatische transgender Schauspielerin Daniela Vega, die Marina, die Transheldin des Filmes spielt, hat so viel Charisma und Ernsthaftigkeit, dass sie von vielen Medien bereits während der Berlinale als Star gefeiert wurde. In der Geschichte des Filmes läuft es für Marina aber alles andere als gut. Denn als ihr Lebenspartner plötzlich stirbt, wird sie geradezu überrollt von einer Lawine an Anfeindungen: Mordverdächtigung, Ausschluss von der Trauerfeier und Rauswurf aus der gemeinsamen Wohnung, die nun der bigotten Familie gehört. Die Männer der Familie foltern sie sogar, um sie in jedem Fall möglichst schnell aus ihrem Leben hinauszuwerfen. Stoisch steht Marina alles durch, und es gelingt ihr, wenigstens heimlich von ihrem Lebenspartner Abschied nehmen zu können.

Sonder-Teddy für außergewöhnliche Strickereien:

Der Teddy für den Sonderpreis der Jury ging an „Close-Knit“ von der japanischen Regisseurin Naoko Ogigami. Dieser Film dreht sich ebenfalls um eine Transfrau in einer zentralen Rolle, die auch in einer Gesellschaft lebt, die sie nicht will. Nur ihr Partner will sie, und dessen 11-jährige Nichte, die von ihrer Mutter bei den beiden abgegeben wird. Auch in diesem Film werden also verschiedene Mutter-Tochter-Beziehungen erzählt, und: dass die Transmutter die bessere Mutter wäre. In Ruhe stricken sich hier die Bilder um die Beziehungen in dieser Regenbogenfamilie - so wie die Transmutter Penisse strickt, um sich zu beruhigen, wenn sie mit Abwertungen konfrontiert wurde – ganz wie die Regisseurin in Krisenphasen selbst gestrickt hat – und wie sie vom Foto eines strickenden Schwulenpaares zum Film inspiriert wurde.


(Foto „Daniela Vega“)

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