Die Flagge wird gehisst!

Nur wenige Wochen vor dem Bielefelder CSD am 16. Juli gab es in der ostwestfälischen Stadt eine handfeste Diskussion um das Hissen der Regenbogenflagge vor dem Rathaus.

Kaninchenzuchtvereine?

Am 20.06. hatte die bürgerlich-konservative Wählergemeinschaft BfB (Bürger für Bielefeld) die Anfrage an den Oberbürgermeister gestellt, ob denn auch in diesem Jahr die Regenbogenflagge gehisst werde. Als Hintergrund der Anfrage wurden von der Wählergemeinschaft formale Bedenken geäußert, denn nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung könne dies dazu führen, "dass dann bei Veranstaltungen oder Jubiläen auch alle anderen Vereine in Bielefeld Anspruch darauf haben, dass ihre jeweiligen Fahnen vor dem Rathaus gehisst werden, gleichgültig, ob es sich beispielsweise um Kaninchen-, Hühnerzuchtvereine, studentische Korporationen oder Schützenvereine handelt", so die BfB in ihrer schriftlichen Anfrage.

Das Netzwerk lesbischer und schwuler Gruppen in Bielefeld e.V. und Gays.de starteten kurzerhand eine Protestaktion und gestalteten einen Flyer, in dem noch einmal deutlich gemacht wurde, dass "der Kampf gegen Diskriminierung und für Gleichstellung von Lesben und Schwulen kein Hobby ist, sondern gelebte Demokratie". Dieser Kampf sei mitnichten mit dem Engagement eines Kaninchenzüchtervereins zu vergleichen, so der Text des Flyers. Dieser wurde bei der gestrigen Protestaktion - zu der rund fünfzig Personen erschienen waren - den Vertretern der verschiedenen Parteien vor der Sitzung des Haupt- und Beteiligungsausschusses übergeben.

Alle sind willkommen

Peter Struck, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Bielefeld und Mitorganisator des Protestes, betont gegenüber inqueery.de, dass "die Mehrzahl der Politiker, die zu der Sitzung erschienen sind, sehr positiv auf unser Engagement für das Hissen der Regenbogenfahne reagiert haben." Die Bedenken gegen die Fahne, die in der Sitzung durch BfB und CDU vorgetragen wurden, sieht er als Beleg für "die Vorbehalte gegenüber Schwulen und Lesben, die nach wie vor im bürgerlich-konservativen Lager herrschen".

Pit Clausen, Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld, fand schließlich die richtigen Worte: "Als moderner Oberbürgermeister einer modernen Großstadt zeige ich mit der Beflaggung meine Zustimmung zu einer Botschaft. Ich zeige damit, dass in Bielefeld die Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung willkommen sind." Dies ist ein wichtiges Zeichen für alle Besucherinnen und Besucher des CSD, der in diesem Jahr unter dem Motto "Geoutet" stattfindet.

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