Jede Auffälligkeit ist schädlich

Ein Wechsel an der Spitze des DFB, die Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine, das Finale der Champions League in München: das Jahr 2012 ist vollgepackt mit Fußball-Highlights. Und weiterhin trudeln regelmäßig Aussagen von Spielern wie Philipp Lahm oder Arne Friedrich in die Presse, die das Für und Wider öffentlicher Outings im raubeinigen Business abwägen. Die Diskussion um schwule Profifußballer und deren Outing ist also noch immer aktuell. Während im vergangenen Jahr im Ausland immerhin ein paar Spieler der unteren Ligen ein Outing gewagt haben, sieht das in Deutschland trotz Anti-Diskriminierungs-Kampagnen seitens des DFB weit davon entfernt. Corny Littmann, Ex-Präsident des FC St. Pauli, erklärt warum das so ist.

Es verwundert, dass du als ehemaliger Präsident des 1. FC St. Pauli schwulen Spielern vom Outing abrätst. Wieso?
Ein Fußballprofi hat nur einen begrenzten Zeitraum, seinen Beruf auszuüben. Mit 20 geht das Profidasein los, mit Anfang 30 ist in der Regel Schluss.
Im Grunde genommen ist da ganz allgemein gesagt jede Auffälligkeit für die Karriere eines Profis schädlich. Zum Beispiel wenn er keine feste Freundin hat, möglicherweise sogar wechselnde Partnerinnen. Oder eine Knieverletzung, von der man nicht weiß, ob sie richtig ausgeheilt ist. Oder eben auch, dass er möglicherweise schwul ist.

Das gibt Probleme innerhalb der Mannschaft?
Ja. Eine Profimannschaft ist eine Zwangsgemeinschaft von Männern, die vom täglichen Training übers Trainingslager bis zur gemeinsamen Umkleidekabine viel unter sich sind, auch wenn sie es vielleicht nicht wollen. Das ist eine sehr eigene Männerwelt mit inzwischen sehr internationaler Besetzung. Da kannst du mit Sicherheit sagen, dass das Probleme gibt. Ein schwuler deutscher Spieler, der sich outet, in einer Mannschaft, in der auch beispielsweise Kroaten und Serben oder Russen spielen - na, vielen Dank auch! Die haben überhaupt kein Verständnis dafür, ganz im Gegenteil, die sind beladen mit Vorurteilen der übelsten Sorte, und verhalten sich auch dementsprechend. Also wird es Konflikte geben innerhalb einer Mannschaft. Die will kein Verein, die will kein Trainer, schlussendlich will das der Spieler auch nicht. Die Spieler verhalten sich so, dass generell nichts davon in die Mannschaft oder den Verein oder zu den Fans dringt.

Das komplette Interview mit Corny Littman findet ihr in der April-Ausgabe des gab-Magazins.
 

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