Zum Glück ganz schön bunt!
Nach einer erfolgreichen CSD-Programmwoche im Vorfeld des zweiten CSD Rhein-Neckar (unter anderem mit der CSD-Gala im zauberhaft intimen Oststadttheater, moderiert von Urgestein Celine Bouvier, die erst kurz vor Mitternacht jenseits jeden Zeitplans endete und mit einer – Gerüchten zufolge – niemals wirklich beendeten After-Gala-Party im Rosanellis weitergeführt wurde) stand der 14. August zunächst noch unter einem ganz anderen Stern.
Drohende Gegendemo der NPD in Ludwigshafen
Der NPD-Kreisverband Vorderpfalz hatte unter dem Motto "Normal ist anders. Für die traditionelle deutsche Familie. Gegen Gender Mainstreaming" für Samstag, den 14.8. in Ludwigshafen eine Gegendemonstration zur CSD-Parade angemeldet. Das von der Stadt Ludwigshafen ausgesprochene Verbot der Demo wurde von Verwaltungsgericht Neustadt aufgehoben und dies vom Oberverwaltungsgericht bestätigt. Ein "Bündnis gegen Rechts" und die Antifa hatten als Reaktion inzwischen eigene Kundgebungen in Ludwigshafen für den 14. August angemeldet (gab.inqueery.de berichtete im Vorfeld).
Erst am Samstagmittag erreichte die CSD-Teilnehmer die Nachricht, dass die Rechten ihre Gegendemo abgesagt hatten – trotzdem fand sich viel Polizei in Wartestellung.
Friedlich und bunt mischen sich im Ludwigshafener Platanenhain besorgte Bürger, die Antifa, Initiativen gegen Rechts, Schwule und Lesben, Gewerkschaftler, Linke, Grüne, Jungsozialisten und viele andere im gemeinsamen Einstehen gegen Homophobie vom rechten Rand.
Anwesend waren die Spitzen der Stadt, Stadträte und Abgeordnete, das Wort überlassen die Politiker wohltuend jedoch den Initiativen gegen Rechts, dem Veranstaltenden DGB, der Antifa und dem CSD Rhein-Neckar, der zu einem deutlichen Zeichen gegen Intoleranz für eine bunte Gesellschaft bei der Demo-Eröffnung am Samstag in Mannheim aufrief. Als die Antifa um 14 Uhr zu ihrer zweiten angekündigten Kundgebung in der Südstadt marschieren wollte, wurde sie von starker Polizei-Präsenz begleitet.
Die CSD-Parade in Mannheim
In Mannheim ging die Aktion "Foto für Toleranz" im allgemeinen CSD-Paradefieber fast etwas unter. Trotzdem startete die Parade gegen 15 Uhr, vorneweg mit dem gemeinsamen Wagen der Stadt Mannheim und des CSD Rhein-Neckar Vereins. Spielende Sportler, beamende Berater, Präventionsprojekte, Uni und Radio-Gruppen, Künstler, Szene-Wirte und natürlich auch (fast) alle Parteien waren vertreten. Den Abschluss bildete DJ Waltraud, die mit eingängiger Musik Besucher in großer Zahl animieren konnte, sich dem Zug durch die Stadt anzuschließen.
Am Wasserturm stieß dann noch ein Teil der Antifa-Demonstranten hinzu und bildete den Abschluss des Lindwurms über die Planken. Eine Gruppe Antifa-Demonstranten wollte die CSD-Parade verlassen, um vor dem Mannheimer Haus des NPD-Funktionärs Christian Hehl zu demonstrieren, wurde allerdings entschlossen von der Polizei daran gehindert. Nach Auskunft der der Antifa kam es dabei auch zu Verletzungen durch Pfefferspray.
Im Anschluss an die Parade stieg das Regenbogenfest im Mannheimer Schloss, das inklusive der Infomeile gut besucht war und ohne Regenschauer über die Bühne ging.
Fazit: Eine breitere Basis und Solidarisierung in der Region durch viele gesellschaftliche Gruppen gegen Homophobie und damit für das Anliegen des CSDs hat es in der Region bislang nicht gegeben. Die Mannheimer Polizei schätzt die Besucherzahl beim CSD-Umzug auf 75 000 Menschen, rund 500 Personen nahmen an der Parade teil. Die Kundgebung in Ludwigshafen besuchten etwa 300 Menschen, die zweite Kundgebung der Antifa laut Polizei etwa 70.



