Ein HIV-Test kann Aids verhindern

Mehr als 50.000 Praxen bekommen Anfang kommender Woche die Broschüre „HIV früh erkennen – Aids vermeiden“ der Kampagne „Kein Aids für alle!“ zugeschickt. Sie soll Ärzt_innen helfen zu erkennen, wann ein HIV-Test angebracht ist und diesen Patient_innen möglichst frühzeitig anzubieten.

Der Grund: Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 1.000 Menschen an Aids oder einem schweren Immundefekt, weil sie nichts von ihrer HIV-Infektion wissen und deswegen nicht behandelt werden können. Oft haben sie vorher mit vielfältigen Symptomen, die auf einen Immundefekt hinweisen, Praxen besucht, ohne dass ein HIV-Test durchgeführt wurde.

Rund 12.700 Menschen leben in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts unwissentlich mit HIV – teilweise schon viele Jahre. Ihnen droht eine vermeidbare Aids-Erkrankung, während eine Behandlung ihnen ein langes und weitgehend normales Leben ermöglichen würde.

Bei Regina war es am Ende fast zu spät. Ihre Geschichte dient in der Broschüre als Fallbeispiel aus der Praxis.

Frühe Diagnose ermöglicht Behandlung

„Wir Hausärzte nehmen eine Schlüsselrolle ein. Wir sind die erste Anlaufstelle, für Routinechecks wie bei Beschwerden und Symptomen. Wir können einen entscheidenden Beitrag leisten, indem wir Menschen eine frühe HIV-Diagnose und damit eine rechtzeitige Behandlung ermöglichen“, betont Dr. Axel Baumgarten, Hausarzt und HIV-Spezialist. Er unterstützt die Aktion als Vorstand des Zusammenschlusses niedergelassener HIV-Mediziner in Deutschland, dagnä.

Tipps für Diagnostik und Gesprächsführung

Der Grund für die Schwierigkeiten mit dem HIV-Test: HIV ist in Deutschland eine relativ seltene Infektion, bringt Symptome hervor, die auch andere Ursachen haben können und wird oft irrtümlich nur bestimmten Gruppen zugeschrieben. Gerade bei heterosexuellen Menschen – wie Regina – wird HIV oft übersehen. Das Thema berührt zudem Tabus wie Homosexualität oder eheliche Treue. Wie spricht man zum Beispiel einen verheirateten Menschen auf HIV-Risiken an?

„Spätdiagnosen betreffen oft Menschen, bei denen man nicht mit HIV rechnet“, weiß Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen AIDS-Hilfe und selbst Arzt. Und weiter: „Den HIV-Test und damit Sexualität zu thematisieren fällt vielen Ärzten schwer. Wir geben Tipps, wie man gut ins Gespräch kommt und auch schwierige Situationen meistert.“

Die Broschüre rückt HIV als mögliche Krankheitsursache ins Bewusstsein und informiert pointiert zu den entscheidenden Fragen:

  • Symptome frischer und verschleppter HIV-Infektionen
  • Hilfestellungen zum Gespräch über Sexualität während der Anamnese
  • Die Gesprächsführung vor dem HIV-Test und bei der Mitteilung eines positiven Ergebnisses
  • Verschiedene Testverfahren und ihren Einsatz
  • Fragen zur Abrechnung

Gemacht von Hausärzten und HIV-Spezialisten

Die Deutsche AIDS-Hilfe hat den Leitfaden in Zusammenarbeit mit Hausärzt_innen und HIV-Spezialist_innen entwickelt. Sie greift dabei auf umfassende Erfahrungen aus dem Fortbildungsangebot „Let’s talk about Sex“  zurück, das in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und den zuständigen Fachgesellschaften durchgeführt und vom Verband der Privaten Krankenversicherung finanziert wird.

Den Druck der Broschüre hat die Firma MSD finanziert, der Versand erfolgt mit freundlicher Unterstützung der Firma Gilead.

Aids ist heute vermeidbar

Mit der Kampagne „Kein Aids für alle!“ verfolgt die Deutsche AIDS-Hilfe das Ziel, dass in Deutschland im Jahr 2020 kein Mensch mehr an Aids erkranken muss. Mehr frühe HIV-Diagnosen sind für dieses Ziel unerlässlich. Denn wenn die Infektion rechtzeitig behandelt wird, haben Menschen mit HIV heute eine fast normale Lebenserwartung. HIV ist unter einer gut wirksamen Therapie auch nicht mehr übertragbar.

Mehr Informationen

Kampagnenwebsite „Kein Aids für alle – bis 2020!“

"Ein HIV-Test hätte mir viel erspart!" - Kampagnenvideo mit Fallbeispielen

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