EMIS-Befragung

Das Safer-Sex-Verhalten ist offenbar stabil. Das geht aus Ergebnissen der großen EMIS-Befragung für 2011 hervor, die im Internet durchgeführt wurde. Allerdings: Untersuchungen auf sexuell übertragbare Infektionen in Deutschland finden zu selten statt und sind oft völlig unzureichend. Das wirkt sich auf das HIV-Übertragungsrisiko aus.

Keine zunehmende Sorglosigkeit

25 Prozent der befragten Männer in Deutschland hatten in den 12 Monaten vor der Umfrage beim Sex ein mögliches HIV-Risiko. Das heißt umgekehrt: Drei Viertel hatten nur geschützten Sex. "Die große Mehrheit der schwulen Männer setzt auch nach 30 Jahren HIV weiter konsequent auf Safer Sex", freut sich Matthias Kuske, Kampagnenmanager vom Präventionsprojekt "Ich Weiss Was ich Tu" (IWWIT). "Das ist beachtlich und verdient Respekt. Die Behauptung von der 'zunehmenden Sorglosigkeit', die man immer noch oft hört, ist damit erneut entkräftet. Sie ist falsch und es ist wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen. Ansonsten könnte die Rede von der Sorglosigkeit zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden: Aus der Psychologie wissen wir, dass viele Menschen dazu neigen, ihr Verhalten Trends anzupassen."

Untersuchungen auf sexuell übertragbare Infektionen sind in Deutschland zu selten und oft unzureichend: 28 Prozent der deutschen Befragten machten einen Check, aber nur bei etwa jedem Fünften, der sich untersuchen ließ, wurden Penis und Anus unter die Lupe genommen - bei den anderen blieb es bei einem Bluttest. Damit kann zwar beispielsweise eine Syphilis festgestellt werden, Feigwarzen, ein analer Tripper und Chlamydien jedoch bleiben so oft unentdeckt. Sexuell übertragbare Krankheiten können das Übertragungsrisiko von HIV erhöhen.

EMIS erlaubt erstmals auch Vergleiche zwischen Deutschland und anderen Ländern. In Großbritannien, Irland, Malta, Schweden und den Niederlanden läuft es mit den Checks besser. Dazu EMIS-Projektkoordinator Axel J. Schmidt: "Es besteht Handlungsbedarf. Wir brauchen in Deutschland Anlaufstellen, wo sich schwule Männer unkompliziert, kostenlos und anonym auf sexuell übertragbare Infektionen testen lassen können."

Blasen vor Wichsen

Auch in der Umfrage ersichtlich: Blasen ist die beliebteste Sexpraktik - noch vor gegenseitigem Wichsen. 83 Prozent der Befragten in Deutschland hatten in den letzten 12 Monaten Analverkehr. "Spitzenreiter" ist hier überraschenderweise Moldawien mit 94 Prozent. Auf ganz Europa betrachtet haben die meisten Befragten zwei bis zehn Sexpartner pro Jahr, die sie überwiegend im Internet kennenlernen. Erschreckend: Je mehr Partner ein schwuler Mann hat, desto seltener lässt er sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Krankheiten checken.

EMIS steht für "European MSM Internet Survey". Mehr als 180.000 Teilnehmer aus ganz Europa klickten sich im vergangenen Jahr durch den Fragebogen. In Deutschland war der Rücklauf - dank der Unterstützung durch die schwulen Medien und vor allem GayRomeo - gigantisch: Über 54.000 Männer gaben Auskunft über ihr Sexleben und ihr Schutzverhalten.


Mehr Infos und mehr Ergebnisse gibt's auf der EMIS-Seite.

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