Großer Streit um Berliner CSD

Die Berliner CSD-Veranstalter haben eine Krise ausgelöst: Ihre Entscheidung, den CSD in „Stonewall Parade“ umzubenennen, stößt in der Community auf heftige Kritik. Nun haben sogar die schwul-lesbischen Organisationen aller Parteien von der CDU bis zu den Linken einen gemeinsamen Brief geschrieben. Darin wird der Berliner CSD e.V. aufgefordert, den Beschluss rückgängig zu machen.

Zunächst hatte CSD-Geschäftsführer Robert Kastl bekannt gegeben, dass der Name geändert werden soll, weil der Begriff CSD international nicht gebräuchlich sei. Mit dem neuen Begriff „Stonewall Parade“ sollte also die internationale Strahlkraft erhöht werden. Außerdem wolle man mit dem Titel an die Anfänge der Gay Prides erinnern und damit die politische Bedeutung vor den Spaß- und Partyfaktor stellen, so Kastl.

Nach dieser Entscheidung entstand eine lebhafte Diskussion bei den Vereinen und in verschiedenen Internet-Foren. Höhepunkt der Kritik ist nun der gemeinsame Brief von Schwusos, LSU, Die Linke.queer, QueerGrün und LiSL, der in dem Satz „Wir sagen Nein“ gipfelt. Die Parteivertreter betonen, dass der Begriff „Christopher Street Day“ national und international bekannt sei. Sie kritisieren, dass die Community und ihre Verbände nicht in die Entscheidung einbezogen wurden. Der Berliner CSD wird aufgefordert, „eine öffentliche Diskussion einzuleiten“ und die Entscheidung „in einem demokratischen Prozess“ zu fällen.

Robert Kastl kontert, die Parteien fürchteten sich vor einem politisch unbequemen und emanzipierten Verein, auf den sie keinen Einfluss mehr hätten. Beobachter allerdings meinen, dass sich die Veranstalter ins Abseits manövrieren, wenn sie sich mit der Politik anlegen. Schließlich ist eine Zusammenarbeit mit der Stadt auf vielerlei Ebenen erforderlich. Bereits im vorigen Jahr hatte sich der Berliner CSD e.V. in die Nesseln gesetzt, als er die CDU von der Parade ausgeschlossen hatte (inqueery berichtete).

Zusätzlichen Stress gibt es wegen des geplanten Veranstaltungsortes: Der CSD-Vorstand will die Kundgebung in diesem Jahr am 21. Juni wie gewohnt vor dem Brandenburger Tor abhalten. Dies ist aber nicht möglich, weil sich dort die Fanmeile zur Fußball-WM befindet und an diesem Tag das Spiel Deutschland – Ghana live übertragen wird.

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Mein inqueery