Interview: Sven Lehmann (Grüne)

Seit 2010 ist Sven Lehmann Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in NRW. Geboren in Troisdorf, lebt der 32-Jährige mittlerweile in Köln. Lehmann gehört, neben den beiden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Josefine Paul und Arndt Klocke sowie der Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Marlis Bredehorst, zum offen homosexuellen Spitzenpersonal der Grünen auf Landesebene.

Welche schwul-lesbischen Projekte auf Landesebene sollen im Falle eines Wahlsieges Förderung erhalten?

Wir wollen unsere aktive Anti-Diskriminierungspolitik in der Landesregierung fortsetzen. Gemeinsam mit den Initiativen aus dem LSBTTI-Bereich wollen wir uns weiterhin für Gleichberechtigung und Akzeptanz einsetzen. Die engagierte Arbeit der unterschiedlichen Verbände und Initiativen wollen wir unterstützen und ausbauen, vor allem im Bereich der Aufklärung und der Förderung von Akzeptanz in der Schule. Dazu gehören beispielsweise die landesweit bekannten Projekte „SchLAu NRW“ oder „Schule ohne Homophobie“. Wir werden alles unternehmen, damit Jugendlichen ein Coming-out an ihrer Schule möglich wird, ohne körperliche oder verbale Gewalt befürchten zu müssen.

Wie stehen die Grünen zur vollständigen Gleichstellung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft zur Ehe?

Wir fordern seit jeher die vollständige Gleichstellung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe, auch im Steuer- und Adoptionsrecht. Einfacher und konsequenter wäre es, einfach die Ehe für Homosexuelle zu öffnen. Zur echten Gleichstellung gehört es auch, die Möglichkeit der Insemination (künstliche Befruchtung, Anm. d. Red.) für lesbische Paare und alleinstehende Frauen rechtlich abzusichern. Der unwürdige Inseminations-Tourismus in europäische Nachbarländer muss ein Ende haben.

Wie bewerten Sie die bisherige Arbeit im Rahmen des Aktionsplans gegen Homophobie? Befürworten Sie eine Weiterführung?

Unser Ziel bleibt ein umfassender Aktionsplan für Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt und gegen Homo- und Transphobie. Vor allem in der schulischen und außerschulischen Aufklärung liegt der Schlüssel zu mehr Akzeptanz und Förderung von Vielfalt. Zu einem umfassenden Aktionsplan gehört auch, begangenes Unrecht öffentlich zu machen, aufzuarbeiten und zu dokumentieren.

Was ist für Sie persönlich ein wichtiges Anliegen für die Wahl am 13. Mai?

Am 13. Mai entscheidet sich auch, ob NRW Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung bleibt. Für mich ist eine Gesellschaft erst dann wirklich demokratisch, wenn jede und jeder selbstbestimmt und gleichberechtigt leben kann. Wir Grüne kämpfen daher seit jeher für gleiche Rechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Trans- und Intersexuelle. Vielfalt macht unsere Gesellschaft reich.

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