Mr. Gay Germany 2018

Auch in diesem Jahr wird wieder ein Mr. Gay Germany gesucht, der mit seiner eigenen erstellen Kampagne etwas in der Community bewegen möchte. Die 8 Finalisten wurden am 28.10.2017 in Köln ausgewählt, nachdem sie sich einigen Prüfungen stellen mussten. Wir haben mit Kandidat Jonas (30) aus Köln gesprochen:

Jonas, wie alt bist Du, wo lebst Du und was  machst Du beruflich?
Hallo Community, ich bin 30 Jahre alt, wohne jetzt seit vier Jahren in Köln und arbeite hier als Grafiker und Illustrator.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Dich bei Mr. Gay Germany zu bewerben? Und wie läuft das ab?

Die Idee ist aus zwei Ereignissen entstanden. Zunächst war ich beim Finale des diesjährigen Mr. Gay Germany im Publikum, dann, einige Zeit später, hatte ich den Castingaufruf bei Facebook gesehen. So habe ich mich dann mitten in der Nacht spontan beworben und erstmal niemandem was erzählt. Ich muss gestehen, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht genau wusste, für was das Amt des Mr. Gay Germany eigentlich steht. Wie viele andere hatte ich gedacht, dass es hier rein ums Aussehen geht, aber das stimmt nicht. Das vor kurzem in Köln stattgefundene Semi-Finale bestand aus 8 Challenges, bei denen die Hälfte sich auf Wissen und Engagement rund um die LGBTQI-Community bezieht. Die anderen vier Challenges, wie das Fotoshooting und die Social-Media-Challenge, sind mehr optischer Natur. Bei Gleichstand wird immer zugunsten des Kandidaten entschieden der mit seinem Charakter und Wissen punkten konnte. Ein Großteil der Punkte macht dabei auch die Kampagne aus, mit der der Kandidat etwas in der Community bewegen möchte. Man merkt schnell, dass es hier für jeden um eine Herzensangelegenheit geht. Am schönsten finde ich, dass der Zusammenhalt zwischen den Teilnehmern so gut ist.

Was sagt Dein privates und berufliches Umfeld zu Deiner Teilnahme? Wie reagieren Deine Freunde und Familie?

Als ich die Bestätigung hatte, dass ich beim Semi-Finale dabei sein werde, habe ich meinen Freunden davon erzählt. Die Social-Media-Challenge tat dann ihr Übriges. Mittlerweile werde ich auch von Fremden darauf angesprochen. Da ich mich bisher immer eher im Hintergrund aufgehalten habe, war dies neu für mich. Trotzdem merke ich daraus, dass Interesse an mir und meiner Kampagne besteht, ein tolles Gefühl, von dem ich immer noch überwältigt bin.

Zwischen meinem Beruf und meinem Privatleben gibt es keine Überschneidungen. Nicht, dass ich es bewusst trenne, aber hier gab es bisher noch keine Fragen.

Meine Mum wiederum ist super stolz und die Erste, die ich nach der Verkündung für das Finale angerufen habe. Ich glaube, dass Sie noch nicht ganz den Umfang dieser Arbeit in der Zukunft versteht. Sie respektiert meine Entscheidungen. Meine Erziehung war offen, ich konnte immer meine eigene Zukunft gestalten und Fehler machen. In der Not weiß ich, dass ich Menschen hinter mir habe. Leider geht es nicht jedem so, auch für diese Menschen will ich da sein.

Erzähl uns etwas über Deine Mr. Gay Germany Kampagne "United in Diversity". Was steckt dahinter, woraus wuchs die Idee und was hast Du mit der Kampagne in Zukunft vor?

Als ich nach Köln gekommen bin, hatte ich den großen Wunsch keine Fernbeziehungen mehr zu führen und endlich mein Singledasein zu beenden. Um einen Partner zu finden habe ich, wie viele andere, Apps genutzt. Mich auf Plattformen wie Grindr und Romeo in ein vorgegebenes Raster quetschen zu müssen fand ich blöd. Besonders bei Grindr sind die sogenannten Tribes rein optisch ausgelegt und spiegeln nicht die Charakterzüge des anderen wieder.

Diese Stereotypen bevorteilen langweilige, einsilbige, sex-orientierte Gespräche, bei denen man sich nicht wirklich kennenlernt. Meistens resultiert das dann auch noch in ebenso schlechten Dates. Man ist frustiert - ich bin frustriert. So wie mir geht es auch vielen meiner Freunde. Femininität wird verurteilt, Drag-Queens erzählen ungern beim ersten Date von Ihrer großartigen Arbeit und Bisexuelle werden immer so behandelt, als befinden sie sich nur gerade auf dem direkten Weg zur Homosexualität. Die Community ist nach innen intolerant geworden und hat sich selbst in Ihre Tribes gespalten. Das zu ändern, die Community wieder zusammen zu bringen, um auch nach außen wieder stark als Einheit aufzutreten, ist das Ziel von meiner Kampagne UNITED IN DIVERSITY.

Dafür will ich eine gemeinsame, interessenbasierte Plattform gründen mit der sich Menschen auf eine neue Art - frei von rein sexuellen Orientierungen - besser kennenlernen, verabreden und verstehen können. User sollen dabei die Möglichkeit haben, selbst neue Gruppen zu hinzuzufügen und Events zu erstellen. Ich möchte, dass Menschen ihre Gemeinsamkeiten sehen. Denn auch wenn der eine vielleicht ein femininer Twink und der andere ein Macho-Daddy ist, mögen ja beide vielleicht The Legend of Zelda.

Wie hast du selber dein Schwul-sein samt Outing im privaten und beruflichen Bereich erlebt?

Ich bin in einer Kleinstadt groß geworden. Ich selbst war lange Zeit der einzige Schwule, den ich kannte. Das macht ein Outing nicht gerade einfach. Trotzdem hatte ich mit 16 begonnen, Freunden es nicht mehr zu verheimlichen. Interessanterweise war es für mich einfacher mich zuerst bei denen zu outen, die ich am kürzesten kannte. Erst später habe ich mich dann meinen besten Freunde anvertraut. Mir fiel dies zu dem Zeitpunkt dann leichter, weil ich schon ein besseres Gefühl dafür hatte. Als letztes hatte ich mein Coming-Out bei meiner Familie, erst bei meiner Mutter und dann dem Rest. Insgesamt habe ich im ersten Moment dabei nie Zurückweisung erlebt. Den größten Kampf hatte ich wohl zuvor mit der Akzeptanz meines eigenen Andersseins. Von meinen Freunden hat sich mit der Zeit der ein oder andere distanziert. Das ist schade, weil ich denke, dass meine Sexualität kein großes Thema in einer Freundschaft sein sollte.

Wie müsste Dein zukünftiger Partner aussehen, auf was achtest Du äußerlich bei einem Mann und welche Charakter-Eigenschaften sind Dir bei Deinem Partner besonders wichtig?

Ich bin nun seit mehr als einem Jahr Single und mittlerweile wieder bereit es erneut zu versuchen. Ich glaube, dass man auch an gescheiterten Beziehungen wächst und daraus lernt, was einem wichtig ist. Gemeinsame Zeit, ein geregeltes Sozialleben, Empathie und eigene Unabhängigkeit finde ich attraktiv. Außerdem muss mein Partner meinen recht schneidenden, trockenden Humor aushalten können. Bei tief-dunklen Augen und einem dunklen Teint werde ich schwach. Da ziehen sich Gegensätze auf jeden Fall an. Ich selbst habe osteuropäische Wurzeln, die man mir durchaus ansieht. Wenn man meinen Freundeskreis betrachtet, wird einem schnell klar, dass ich sehr weltoffen bin. Privat rede ich fast nur Englisch mit meinen Freunden. Wäre schön wenn mein Partner dort hineinpasst.

Lieber einen gemütlichen Abend daheim auf dem Sofa oder unterwegs in den Clubs der Stadt?

Ich liebe es durch die Straßen von Köln zu ziehen und zu feiern bis die Sonne wieder aufgeht. In der Woche darf es dann gerne nach der Arbeit auch mal ruhig zugehen.

Welche Wünsche hast Du für die Zukunft - privat und beruflich?

Mein großer Traum ist es irgendwann einmal in Barcelona meine Zelte aufzuschlagen. Beruflich bin ich glücklicherweise sehr flexibel und mein Spanisch bzw. Katalan versuche ich permanent zu verbessern. Privat sehe ich mich zukünftig in einer Beziehung. Es hat einen Moment gedauert aber ich bin nun bereit dafür.

Wann und wo findet das Finale statt und was können Deine Fans noch für Dich tun, damit Du vielleicht wirklich in diesem Jahr gewinnst? Deine Chancen stehen momentan ja als einer der 8 Finalisten gut.

Das Finale findet am Samstag dem 2. Dezember statt. Bis dahin werde ich weiter für meine Kampagne einstehen. Likes und Reshares auf Facebook, YouTube und Instagram helfen weiter. Wer immer auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte auf jedem Fall der Facebook-Seite von Mr. Gay Germany folgen. Da findet Ihr auch mich :)

Vielen Dank für das Interview und wir drücken Dir natürlich die Daumen, dass es am 02.12. beim Finale klappt, Du den Titel Mr. Gay Germany tragen darfst und Deine Kampagne für die Szene umsetzen kannst.

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