Unsichtbar machende Gesetze

Dass eine Delegation schwuler und lesbischer Sportler in einem Rathaus ihres Heimatlandes von offizieller Seite begrüßt wird, davon können die Teilnehmer des diesjährigen Düssel-Cup, die aus Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg zum Multisportturnier angereist sind, nur träumen. In Düsseldorf allerdings hält sogar Bürgermeisterin Agnes Strack-Zimmermann eine Begrüßungsrede und heißt die russischen Teilnehmer im Namen der Stadt herzlich willkommen. Im Anschluss an die offizielle Begrüßung traf Antje Lesemann den 35-jährigen Tischtennisspieler und Mitorganisator der Reise, Ruslan Shiskin aus Moskau, für ein Interview zur aktuellen Situation für Schwule und Lesben in Russland.

Bist du zum ersten Mal in Deutschland?

Nein, letztes Jahr war ich bereits in Frankfurt – ebenfalls zu einem schwul-lesbischen Sportturnier.

Du hast in deiner Rede auf die schwierige Situation in Russland hingewiesen und gesagt, dass dort Turniere wie der Düssel-Cup nicht gerne gesehen werden …

Ja, die Situation in Russland ist momentan sehr schwierig. Selbst in Moskau fühlen wir uns nicht wirklich sicher, obwohl Moskau sicherlich die toleranteste Stadt Russlands ist. Es gibt auch dort Clubs und Vereine für Schwule und Lesben, aber wir können nicht offen agieren. Der CSD steht jedes Jahr sehr stark unter Beschuss oder wird von offizieller Seite aus gar nicht erst genehmigt.

Geht die Intoleranz eher von der Gesellschaft oder von politischer Seite aus?

Es sind vor allem Politiker, die Intoleranz schüren. Der Großteil der Bevölkerung steht uns relativ gleichgültig gegenüber. Aber die Politik und die orthodoxe Kirche haben großen Einfluss. Regionale Parlamente, zum Beispiel in St. Petersburg, haben Gesetze erlassen, die „homosexuelle Propaganda“ verbieten. Die Strafe für die „Propaganda“, die im Übrigen nicht klar definiert ist, beträgt für eine Einzelperson 5.000 Rubel, etwa 120 Euro.

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