REZI - Frischfleisch war ich auch mal

Wenn ein schwuler Mann über das Älterwerden schreibt, kann das ja meist nur eines bedeuten: Comedy. Zumindest soweit das gängige Vorurteil. Aber genau das trifft auf Matthias Gerschwitz Buch mit dem sarkastischen Titel „Frischfleisch war ich auch mal– Vom Wandel der Zeiten“ nur in bedingtem Maße zu. Es hat sicherlich seine komischen Seiten und entlockt einem mal einen Lacher, der kann aber an der ein oder anderen Stelle auch durch aus im Hals stecken bleiben.

Die Kolumne als Mittel zum Zweck

In einzelnen Abschnitten erzählt, schreibt oder plaudertGerschwitz in seinem Buch zu Themen vom Aufwachsen, über das Älterwerden, bis zu den Punkten wo es dann so wirklich richtig ans Altern geht. Dabei trifft er zeitweise den Zahn der Zeit so dermaßen auf den Nerv, dass es schon wehtut, aber genau das scheint beabsichtigt. Wobei er neben einigen recycelten Kolumnen aus Druck und Internet durchaus auch neue Texte einstreut. 
Bereits in seinem Vorwort stellt er aber klar, dass die auf den kommenden Seiten abgedruckten Texte keinesfalls nur reine Fiktion sind. Da gibt es selbst Erlebtes, nur dem Leben Abgeschautes oder eben auch doch rein Fiktives. Was er damit bezweckt, auch das gibt er unumwunden preis, ja drängt es dem geneigten Leser gerade zu auf. Er möchte unterhalten und gleichzeitig zum Denken anregen. Reflexion über den Wandel der Zeit ist dabei genauso Wunsch des Autors, wie Selbstfindung oder eben einfach Unterhaltung. Leider klappt das Letztere nur bedingt. 

Vom Zauber des Ersten Males bis zur Bahre

So oder so ähnlich hätte Gerschwitz sein Buch auch nennen können und wäre seiner breit gefächerten Themenauswahl gerecht geworden. Ganz private Einblicke gestattet der Autor direkt in seinem ersten Text, „Aller Anfang ist schwer“. Mit grandioser Leichtigkeit steigt er ein und findet sich bald schon mitten in der Geschichte seiner ersten Male wieder. Gekonnt zeichnet er das Bild eines Jungen der zum Mann erblüht ist und zwar durch Hand und Mund und vermutlich auch das Geschlecht eines weiteren Mannes. Rückblickend, der Autor ist im Jahr 1959 geboren, also werden diese Anfänge wohl in den 1970ern gelegen haben, muss mann feststellen, dass mann zu dieser Zeit mit einem solchen Bekenntnis nicht freudestrahlend zu den eigenen Eltern gelaufen ist und sie über die guten Neuigkeiten einer womöglich befriedigenden Entjungferung durch einen Partner gleichen Geschlechtes in Kenntnis zu setzen. 
Von diesem unterhaltsamen Fakt aus, wandelt Gerschwitz dann aber leider einen Weg über Platitüden und Phrasen, die alle mit Anfängen zu tun haben. Diese haben wir alle nun leider gerade in der Zeit der Digitalisierung an zig hundert Stellen schon mal irgendwo lesen dürfen und finden sie nun in neuer Zusammenstellung. 

Viagra, Serien oder auch fleischlose Wurst

Mit Schlagworten betitelt liefert der Autor insgesamt 23 mehr oder minder unterhaltsame Texte, die mal als Weltanschauung oder auch mal einfach als schwule Sicht auf die Geschehnisse der Welt durchgehen können. Leider bleibt einem abschließend kaum eines der einzelnen Kapitel nach dem Lesen so detailliert im Kopf, dass man es unproblematisch weiter erzählen könnte. Sicher, es war vielfach kurzweilig, aber wie war das noch mal? 

Bei dem doch recht reißerischen Titel hätte man sich gewünscht, dass man aus diesem Buch doch vielleicht mehr mitnimmt als ein „Och, joah, geht schon!“ auf die Frage nach dem Unterhaltungswert. Und irgendwie ist genau das auch das Verflixte an diesem Buch. Man fühlt sich beim Lesen durchaus gut unterhalten, weiß aber am Ende auch nicht wodurch. Daher muss das Fazit einfach lauten: Selber Lesen! 

 

Matthias Gerschwitz
Frischfleisch war ich auch mal - Vom Wandel der Zeiten
Illustrationen Bernd Zeller
152 Seiten
Pax et Bonum Verlag
Taschenbuch 12,99 €
EBook: 6,49

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