Schwules Dortmund

Schrumpfendes Szene-Leben

Ein wenig traurig mutet derzeit auch die lokale Szene-Landschaft an. Das Heimes zog im Sommer einen Schlussstrich und erst kürzlich gab Christian Plöger seine beliebte Kneipe Jiggers auf - allerdings deshalb, weil er beruflich andere Wege gehen wolle. Warum aber ist die Szene-Landschaft in den vergangenen Jahren immer mehr und mehr geschrumpft? "Die Dortmunder Kneipen müssen einfach wieder etwas Besonderes bieten. Das hat das Ruhrgebiet einfach verpasst", findet Martin Wolkner, Initiator der schwul-lesbischen Filmreihe Homochrom und zugezogener Dortmunder. Sebastian Sazon, Betreiber des GentleM in Essen und Mitveranstalter des Glamourdomes pflichtet ihm bei: "Es reicht nicht mehr, eine Discokugel und eine Regenbogenflagge aufzuhängen." Zudem hätten einige Kneipen wohl fehlgewirtschaftet und eine zu hohe Pacht entrichtet.

Die gute Nachricht: Den nötigen frischen Wind möchte er nun selbst nach Dortmund bringen und eröffnet das Jiggers zum 4. Februar als "GentleM (2)" neu. Mit an Bord: Das beliebte Unterhaltungskonzept aus Essen. Und auch in den Räumen des alten Café Blu wird zur Zeit wieder gewerkelt: Zwischen Ende Februar und Anfang März eröffnet darin das neue "Orange". Was Veranstaltungen angeht, sieht es derzeit hingegen eher mau aus in Dortmund. "Ich verstehe nicht, was da schief läuft", wundert sich Frank von SLADO. Wenn dann mal eine Party wie die Pop-o-Pop stattfinde, kämen irgendwann keine Leute mehr. "Und wir hatten jetzt das Kino-Festival Homochrom hier, das megaschlecht besucht wurde, während es in Köln wohl ziemlich gut lief."

Sexsteuer

Auch die unlängst eingeführte "Sexsteuer" hat der Szene zugesetzt, worunter gerade Locations wie das Boots oder das Jumbo Center leiden. Und wenn allgemein weniger Leute fürs Nachtleben in die Stadt reisen, muss am Ende auch die eigentlich nicht von der Steuer betroffene Eck-Kneipe leiden. "Es gab im Sommer ein Treffen zwischen dem Oberbürgermeister und den Wirten, um die Probleme zu klären", so Frank. Trotz des anfänglichen Widerstands gegen die Steuer seien aber dennoch nur zwei Wirte anwesend gewesen, während "die anderen noch nicht einmal abgesagt haben. Das ist natürlich ein Desaster!" Er befürchte, dass die Stadt die Steuer nun als "geschluckt" betrachte. "Wenn die Wirte selbst bei diesem Treffen nicht erscheinen und stattdessen versuchen, das ökonomisch aufzufangen, wie will man da dann Druck aufbauen?"
Sexsteuer hin oder her, Sebastian vom GentleM (2) ist sich jedenfalls sicher: "Dortmund durchlebt derzeit eine schwierige Zeit, aber das kriegen wir auch noch hin!"

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