Tag gegen Homophobie

Rund 300 Frauen, Mädchen, Jungs und Männer standen am 17.05.2010 für einige Minuten Hand in Hand auf der Frankfurter Hauptwache. Am selben Tag stiegen in Hamburg Luftballons in den Himmel, in Berlin küssen sich Frauen- und Männerpaare bei einem öffentlichen "Kiss-in". War das eine Massen-Homohochzeit? Eine Anti-Kriegs-Menschenkette? Falsch! Die Aktionen verstanden sich als Ausdruck von Toleranz und Solidarität mit Homosexuellen. Seit 2005 gilt der 17.05. als Internationaler Tag gegen Homophobie, ausgerufen von der International Gay and Lesbian Organisation (IGLA), dem weltweiten Dachverband der schwul-lesbisch-transidentischen Gruppen.

Homosexualität wird seit 1990 nicht mehr als Krankheit angesehen

Das Datum begründet sich auf den 17.05.1990; seit diesem Tag wird Homosexualität von der Weltgesundheitsorganisation offiziell nicht mehr als Krankheit angesehen. Für Deutschland hat der Termin doppelte Bedeutung: "17.5." wird auch mit dem deutschen Paragraphen 175 assoziiert. Der aus dem Reichsstrafgesetzbuch von 1872 stammende sogenannte "Schwulenparagraph" stellte explizit sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe. Trotz einiger Reformen (seit 1973 waren lediglich homosexuelle Kontakte zu Jugendlichen unter 18 Jahren strafbar - im Gegensatz zum Schutzalter von 14 Jahren für heterosexuelle Kontakte, das, weil der "175er" nur Männer betraf, auch für lesbische Beziehungen galt) wurde der Paragraph 175 erst 1994 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Die Idee der ILGA: Weltweite Aktionen sollen am 17.05. Bewusstsein für Toleranz schaffen, nicht mit Lautstärke, dafür mit kleinen Gesten. Zum Beispiel dem 2010 in Frankfurt praktizierten "Same Sex Hand Holding". Jens Parker, damals Jugenddelegierter der UN-Vollversammlung, organisierte die Aktion per Aufruf im Internet - dass daraufhin rund 300 Leute gegenseitig Händchen hielten, kann als Erfolg verbucht werden.
Und die Aktion schlägt Wellen: "Es wird in diesem Jahr auch andere Aktionen zum 17.05. geben", meint Parker. "Sie werden meist von FreundInnen oder Bekannten von mir oder von Menschen, die von der Aktion in Frankfurt erfahren haben, organisiert". Die diesjährige Frankfurter Mitorganisatorin Tikky Nightblow von den Love Rebels ergänzt: "Diesmal wird es auch Infoflyer für die Passanten geben. Damit die Leute auch wissen, was wir da eigentlich machen".

Das könnte dich auch interessieren
 

Mein inqueery