Denkmal für das Magnus-Hirschfeld-Ufer

Im nächsten Jahr wird in Berlin am Magnus-Hirschfeld-Ufer gegenüber dem Bundeskanzleramt ein Denkmal für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung errichtet. Es soll daran erinnern, dass in Berlin im Jahr 1897 das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee gegründet wurde und damit der Grundstein für die weltweit erste Homosexuellenbewegung gelegt wurde.

Die neunköpfige Jury hat den Siegerentwurf aus fünf Vorschlägen einer internationalen Arbeitsgruppe aus Kunst, Architektur und Design am Institut für Kunst im Kontext der Universität der Künste ausgewählt. Nach einer engagierten Diskussion habe sich die große Mehrheit für den Entwurf „Calla“ entschieden, erklärte Jurysprecher Berndt Schmidt. „Die Jury ist der Überzeugung, dass das Denkmal selbstbewusst und positiv wirkt und eine beeindruckende Fernwirkung entwickelt. Die Calla-Lilie besitzt weibliche und männliche Blüten auf einer Pflanze. Somit ist sie ein Symbol für die Normalität der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in der Natur.“

Das Denkmal-Projekt wird vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin (UdK) mit Mitteln der Lotto-Stiftung und Spenden realisiert. Jurymitglieder waren Prof. Hannes Brunner (Weißensee Kunsthochschule Berlin), Alexandra Engel (Haus der Kulturen der Welt), Prof. Dr. Gora Jain (BTK Hochschule für Gestaltung Hamburg), Felix Merk (Gartendenkmalpfleger), Dr. Berndt Schmidt (Friedrichstadt-Palast), Prof. Dr. Thomas Schnalke (Medizinhistorisches Museum der Charité), Carsten Spallek (Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Bauen und Ordnung), Prof. Dr. Katharina Sykora (Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) und Daniel Wall (Wall AG).

Das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee wurde von mutigen Frauen und Männern um den Arzt und Sexualforscher Dr. Magnus Hirschfeld gegründet. Sie schufen eine soziale und politische Bewegung mit dem Ziel, Rechte zu erkämpfen, die Lesben und Schwulen ein Leben ohne staatliche Verfolgung und gesellschaftliche Ächtung ermöglichen sollten. So nahm Hirschfelds Wirken weltweit Einfluss auf die Abschaffung homophober Straftatbestände. Zur Abschaffung des § 175, der „beischlafähnliche Handlungen“ zwischen Männern unter Strafe stellte, kam es durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten jedoch nicht mehr. Bereits seit 2011 erinnern zwei kleine Stelen am Magnus-Hirschfeld-Ufer an den Wissenschaftler und die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung.

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