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   9 Jahre
Foto: Der geoutete Schwede Anton Hysén | C: YouTube

Fußball – Ficken – Alkohol

Ein Wechsel an der Spitze des DFB, die Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine, das Finale der Champions League in München: Das Jahr 2012 ist vollgepackt mit Fußball-Highlights. Und weiterhin trudeln regelmäßig Aussagen von Spielern wie Philipp Lahm oder Arne Friedrich in die Presse, die das Für und Wider öffentlicher Outings im raubeinigen Business abwägen.

„Ich bin Fußballer und ich bin schwul!“

März des vergangenen Jahres: Anton Hysén (Foto) kickt in einer schwedischen Viertliga-Mannschaft und schreit genau das heraus, was viele Schwule und Lesben schon so lange herbeigesehnt haben: „Ich bin Fußballer und ich bin schwul!“ Das sitzt. Klar, provokant und ohne große Erklärung outet sich das 20-jährige Jungtalent im schwedischen Fußballmagazin „Offside“. „Ich spiele vielleicht nicht in der höchsten Liga, aber ich will dennoch beweisen, dass die sexuelle Ausrichtung eines Menschen keine Rolle bei der Ausübung seines Berufs spielt", so Hysén, der im Jahr zuvor noch in der ersten Liga über den Rasen lief. Dass seine Karriere durch die neue Offenheit Schaden nehmen könnte, ist dem gut aussehenden Fußball-Profi bewusst: "Womöglich gibt es Vereine, die an mir interessiert gewesen wären, für die das nun aber anders aussieht."

Mit einer großen Portion Mut und einer mindestens ebenso riesigen Menge an Trotz startete Hysén also das Experiment „offen schwul im Profifußball“. Dass diese Offenheit die absolute Ausnahme im harten Kickergeschäft ist, verwundert nicht. Fußballer sind stark, sportlich, kantig – und vor allem extrem männlich. Sie sind Idole, für viele Fans sogar vergötterte Helden. Und welcher Fußballanhänger kann schon einen Schwulen in seiner Machismo-Traumwelt gebrauchen?

Schweres Gepäck

Geben tut es sie natürlich trotzdem – homosexuelle Profis, die ein Leben zwischen Kunstrasen und Identitätskrise führen. Nach jahrelangem Zögern outete sich im Herbst 2011 ein amerikanischer Kicker: Der 30-jährige David Testo wählte für sein Outing bewusst einen direkten, öffentlichen Kanal. Über einen großen kanadischen TV-Sender bekannte sich der zurückhaltende Sportler zu seiner Homosexualität und brachte seine innere Zerrissenheit auf den Punkt: „Es ist, als schleppe man schweres Gepäck mit sich herum“, erklärte Testo in einem Interview. „Es war nie erlaubt, man selbst zu sein.“

Jahrelang verheimlichte er seine Homosexualität. Das Versteckspiel hat Spuren hinterlassen: Die Beziehung zu seinem damaligen Freund, seine sportliche Karriere und vor allem seine Psyche litten nach eigener Aussage schwer unter dem ständigen Druck, den smarten Heterosexuellen mimen zu müssen und sich nicht in einem unüberlegten Moment zu verplappern. Eine wahre Zerreißprobe also, die Opfer fordern sollte: Testos Freund verließ ihn, weil er das ewige Versteckspiel satt hatte. Der Ballkünstler spielte zuletzt beim Verein Montreal Impact, der in diesem Jahr in der nordamerikanischen „MLS Liga“ debütiert. Testo allerdings ist nicht mit von der Partie: Sein Vertrag wurde nicht verlängert.

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