Köln
   10 Jahre
Foto: Viktor Vahlefeld & Volker Glasow

Generation Stonewall kommt in die Jahre

Sie haben für die Emanzipation und Gleichberechtigung und für die Abschaffung des § 175 an vorderster Front gekämpft - jetzt befinden sich die Aktivisten von damals nach und nach in einer Lebensphase, in der der Abschied von der Erwerbstätigkeit im Vordergrund steht und manch einer sich die Frage stellt, wie als schwuler Mann das Alter gestaltet werden soll. Während in früheren Generationen das Thema Homosexualität im Alter mehr oder weniger ignoriert wurde, kommt es - auch aufgrund des demographischen Wandels - nun zu einem neuen Nachdenken über alternative Lebens- und Wohnformen im Alter. Die heutige Generation der nun älteren Schwulen und Lesben ist die erste in der Geschichte Deutschlands, die ihre Sexualität nicht selten offen und selbstbewusst gelebt hat. Und diese zuweilen hart erkämpfte Offenheit will sie sich nicht durch engstirniges Pflegepersonal oder heterosexuelle Mit-Senioren nehmen lassen.

Schwester Georg

Der demographischen Entwicklung trägt nun auch der NRW-weite „Aktionsplan gegen Homophobie“ Rechnung, indem aus Mitteln des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) Stellen zur Vernetzung von Angeboten für schwule und lesbische Senioren finanziert werden.
Georg Roth, seit November 2011 zuständiger Landeskoordinator für schwule Seniorenarbeit in NRW und bekannt als „Sister George“, sieht die Ziele seiner Arbeit insbesondere darin, „eine Informationsplattform zu bieten und die Sichtbarkeit von älteren Schwulen und Lesben insgesamt zu erhöhen.“ Zudem sollen ehrenamtliche Gruppen mit Hilfe der Landeskoordination vernetzt und neue Gruppen initiiert werden.

Gabi Stummer, zuständige Fachbeauftragte für kultursensible Altenpflege für Lesben und Schwule ist genau wie Georg Roth ansässig im Kölner Beratungszentrum Rubicon und wird zukünftig Module für die Weiterbildung in der Altenpflege erstellen. Entscheidend sei, dass „ältere Schwule und Lesben in der Pflege als solche überhaupt wahrgenommen werden“, erklärt sie. Bislang stoße ein Weiterbildungsangebot zu diesem Thema insbesondere bei freien, nicht-christlichen Wohlfahrtsverbänden auf großes Interesse. Auch möchte Gabi Stummer erreichen, dass „homosexuelle Lebenskultur in der Pflege respektiert und dadurch Diskriminierungen vorgebeugt wird.“ Unterschiede zu heterosexuellen Senioren sieht die Pflegewissenschaftlerin vor allem darin, dass „ältere Homosexuelle in ihrem Leben persönliche Autonomie sicherlich stärker gelebt und sich weniger an traditionelle Rollen angepasst haben, als die meisten gleichaltrigen Heterosexuellen. Aufgrund von Diskriminierungserfahrungen durch ihre Familien sind bei vielen schwulen und lesbischen Senioren auch schwächere familiäre Bindungen vorhanden.“

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