Gesellschaft
   10 Jahre
Foto: Weigand / photocase.com

Herr Ratzinger bleibt bei seiner Meinung

Bereits im Vorfeld des Papstbesuches wurden von konservativ-klerikaler Seite verbal schwere Geschütze aufgefahren. Die christlich-fundamentalistische Homepage „Kreuz.net“ blies mit unfreiwilliger Komik schon im März zum Angriff, indem sie die Urheberschaft des Gegenbündnisses zum Papstbesuch kurzerhand dem Teufel zuschrieb. Den Zusammenschluss von Gruppen wie dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD), Terre des Femmes und die Linkspartei bezeichnete sie als "Zusammenrottung von Finsterlingen", die "gegen das Licht aus Rom aufbegehren".

Die Leviten lesen

Dass Beißreflexe und biblische Rhetorik auch auf der Gegenseite durchaus beherrscht werden, zeigt sich etwa in Pressemitteilungen der Grünen, in denen es zum Beispiel hieß: "Volker Beck bloggt zum Papst und liest dem Papst in Sachen Menschenrechte und Sexualethik die Leviten."

Von Berlin über Erfurt bis Freiburg gründeten sich Gegenbündnisse zum Besuch des Vatikanoberhauptes. Die Forderungen der Demonstranten wurden inhaltlich jedoch wenig wahrgenommen, sondern dienten vorwiegend in der medialen Berichterstattung einmal mehr als Zeugnisse des ach so schrillen homosexuellen Protestes.

Holger Wicht, Pressesprecher der Deutschen Aids-Hilfe und Mitdemonstrant, kritisiert daher im Gespräch mit inqueery.de, dass "die Inhalte der Gegendemonstrationen und der Kritiker in der Berichterstattung zu kurz gekommen sind." Zugleich habe "der Besuch aber auch viele interessante Diskussionen angestoßen." Seiner Ansicht nach sei es "wichtig, die begonnenen Debatten nun weiter zu führen. Denn die schädliche Politik der katholischen Kirche ist nicht nur dann wirksam, wenn der Papst kommt."

"Schrei nach frischer Luft"

Das Kirchenoberhaupt hob in seiner im Vorfeld heiß diskutierten Rede im Deutschen Bundestag ausgerechnet die „ökologische Bewegung in der deutschen Politik“ lobend hervor, die „seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt“. Dass sich gerade die Grünen von Beginn an die Stärkung von Homosexuellen- und Frauenrechten auf die Fahne geschrieben hatten, blieb von Benedikt XVI natürlich unerwähnt. Stattdessen forderte der Papst, "auf die Sprache der Natur zu hören und entsprechend zu antworten".

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