HIV-Positive: Wir machen’s ohne

Pünktlich zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember haben HIV-Positive eine Facebook-Seite mit dem Titel „Wir machen’s ohne – Safer Sex durch HIV-Therapie“ gestartet. Sie machen damit öffentlich, dass sie auf Kondome verzichten, ohne dass ein Übertragungsrisiko besteht. Ihre Botschaft lautet: „Eine gut wirksame Therapie verhindert die Übertragung von HIV. Sex ohne Kondom ist dann Safer Sex.“ Michèle Meyer, die Initiatorin der Aktion, erklärt dazu: „Schutz durch Therapie ist wissenschaftlich belegt. Wir leben es und reden darüber.“ Die Aktion versteht sich aber nicht als Statement gegen Kondome. Auf der Facebook-Seite haben sich mittlerweile auch HIV-negative Menschen solidarisch erklärt und berichten, dass sie Schutz durch Therapie praktizieren.

Schutzwirkung noch wenig bekannt

Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) begrüßte sogleich diese Selbsthilfe-Offensive. „Die meisten Menschen wissen noch nicht, dass eine gut wirksame HIV-Therapie auch die Übertragung des Virus verhindert“, erklärte DAH-Vorstand Manuel Izdebski. „Menschen mit und ohne HIV nutzen diese Schutzmöglichkeit bereits seit Jahren erfolgreich. Diese Aktion wird die Schutzwirkung der HIV-Therapie bekannter machen. Dieses Wissen wird auch Ängste vor Menschen mit HIV reduzieren und damit Ausgrenzung entgegenwirken.“

Anlass der Aktion ist eine Äußerung eines jungen, HIV-positiven Mannes vor zwei Wochen auf Facebook. „Ich habe regelmäßig Sex ohne Kondom. Schutz durch Therapie macht es möglich“, hatte er geschrieben. Er war daraufhin in einigen Medien und den Sozialen Netzwerken angefeindet und bedroht worden. Immer wieder wurde er als „verantwortungslos“ bezeichnet, obwohl seine Aussage sachlich richtig ist.

Es müssen einige Bedingungen erfüllt sein

Wer Schutz durch Therapie praktizieren möchte, muss sich vorher gut informieren, da einige Bedingungen erfüllt sein müssen. Dazu gehören die zuverlässige Einnahme der Medikamente und regelmäßige Blutuntersuchungen. Wer Schutz durch Therapie praktiziert, muss außerdem wissen, dass durch den Verzicht auf das Kondom das Risiko steigt, sich mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen zu infizieren. Deswegen sollte man sich regelmäßig untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen. Während HIV-Positive Menschen meist wissen, ob sie HIV noch übertragen können oder nicht, müssen HIV-Negative Menschen im Einzelfall abschätzen, ob sie genug über den Partner wissen. Dafür ist Vertrauen notwendig. Die Deutsche Aids-Hilfe rät, im Zweifel Kondome zu verwenden.

Therapiequote steigt

In Deutschland leben rund 83.000 Menschen mit HIV. 69 Prozent erhalten eine HIV-Therapie. Von den Menschen, bei denen HIV bereits diagnostiziert wurde, nehmen 82 Prozent HIV-Medikamente. Die Tendenz ist steigend, weil mittlerweile erwiesen ist, dass sich ein früher Therapiebeginn gesundheitlich auszahlt. Rund 13.000 Menschen wissen noch nichts von ihrer HIV-Infektion. Schutz durch Therapie ist nicht zu verwechseln mit der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), bei der HIV-Negative das HIV-Medikament Truvada vorbeugend einnehmen. Beim Schutz durch Therapie entfalten die Medikamente des HIV-Positiven die Schutzwirkung.

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