Köln
   10 Jahre
Foto: Florian Schulze

Interview: David Berger

Um einem Zwangsouting vorzubeugen, ging David Berger im letzten Jahr selbst mit seiner Homosexualität an die Öffentlichkeit und verzichtete damit auf eine Traumkarriere. In seinem Buch "Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche" und in unzähligen Interviews geißelte er die Doppelmoral in der Amtskirche.

Am 7. Mai entzog ihm Joachim Kardinal Meisner die kirchliche Lehrerlaubnis für das Fach Religion. Weil er offensichtlich "in Lehre und Lebensführung" nicht "mit den moralischen und gesetzlichen Normen der Kirche" übereinstimme, sei das "unverzichtbare Vertrauen des Bischofs zerstört". Für den 17. Mai organisierten Bergers Schüler vom Ville-Gymnasium aus Erftstadt-Liblar einen Protestzug in Köln, unter anderem zum Erzbischöflichen Generalvikariat. Wie es ihm damit ging, erzählte der heute 43-Jährige im Interview mit Torsten Bless.

Wie fühlt man sich, wenn die eigenen Schüler für einen auf die Straße gehen?

Zum einen ist es natürlich ungewohnt, in dieser Situation so in den Mittelpunkt gerissen zu werden. Auf der anderen Seite hat es mich riesig gefreut. Es ist ja in der Tat so, dass die Homophobie an Schulen und unter jungen Leuten eher zu- als abgenommen hat. Doch meine Schüler haben sich nicht nur für ihren Lehrer, sondern generell gegen Homophobie und Fundamentalismus in der katholischen Kirche ausgesprochen. Als ich mich geoutet hatte, gab es Komplimente von den Eltern. "Das haben Sie gut gemacht." Sogar 60-, 70-jährige Großeltern sind auf mich zugekommen: "Was ist das da für eine Schweinerei, die der Bischof mit Ihnen gemacht hat?"

Im Lokalteil des "Kölner Stadt-Anzeigers" wurde ein Pfarrer aus Liblar zitiert, der deutliche Kritik an der "Obrigkeit" übte. Finden Sie so viel Unterstützung an der Basis?

Oh ja! Es ist ja das Erschütternde an der katholischen Kirche, dass sich sozusagen der Kopf immer mehr vom Körper trennt. Die Bischöfe, die Erzbischöfe, der Papst leben in ihrer ganz eigenen Welt, während die Menschen an der Basis schon viel weiter sind. Die können häufig nicht mehr verstehen, was von Rom kommt. Gleich beide Priester aus dem Einzugsgebiet unserer Schule haben sich eindeutig hinter mich gestellt.

Christoph Heckeley, der Sprecher des Erzbistums, wird zitiert, Sie hätten nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung die Lehrerlaubnis entzogen bekommen. Eine glaubhafte Begründung?

Jein. Er bedient sich natürlich einer geschickten Wortakrobatik. Er hat in der "Bild" gesagt: "Die katholische Kirche hat doch nichts gegen Schwule." Aber dann noch im Beisatz hinzugefügt: "Solange sie nicht an die Öffentlichkeit gehen und solange sie ihr Schwulsein nicht ausleben." In Wirklichkeit meint er natürlich, wir haben ihm die Lehrerlaubnis aufgrund seines Lebensstils entzogen, und so steht es auch im Dokument. Dass jemand öffentlich zu seinem Schwulsein steht und auch noch glücklich damit ist, können die absolut nicht ertragen.

Jetzt könnte man natürlich provokant sagen, wer seinen Arbeitgeber in der Öffentlichkeit so kritisiert, muss irgendwann mit Gegenmaßnahmen rechnen ...

Zum einen ist nicht die Kirche, sondern der Staat mein Arbeitgeber, der Staat hat mich auf eigene Kosten als Religionslehrer ausgebildet. Die Kirche hat nur ein Einspruchsrecht. Man wird sich aber darüber unterhalten müssen, inwiefern der Staat es noch dulden kann, dass die Kirche Vorstellungen hat und im staatlichen Bereich zur Geltung bringt, die eindeutig europäischem Antidiskriminierungsrecht und damit grundsätzlichen Menschenrechten widersprechen.

Welche berufliche Perspektive haben Sie jetzt?

Ich habe den Vorteil, dass ich Lehrer an einer staatlichen Schule bin. Ich habe noch ein zweites Fach, nämlich Deutsch, fürs nächste Schuljahr werde ich mir ein anderes Fach suchen.

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