Katholiken für Anerkennung von Realitäten

Eine klare Mehrheit von 70% der Katholiken in Deutschland wünscht sich eine Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Dies ist das wesentliche Ergebnis einer Umfrage der Universität Münster unter mehr als 12.000 Katholiken in 42 Ländern. Ganz anders sieht es dagegen in Polen, Südeuropa und Brasilien aus: Hier positionieren sich die Befragten mehrheitlich gegen eine Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Wenig überraschend sind auch die anderen Ergebnisse der Untersuchung: Von den 8.000 Antworten aus Deutschland plädieren die 14-30-Jährigen deutlich häufiger für die Anerkennung und Segnung als andere Altersgruppen. Außerdem ist der Wunsch bei weiblichen Teilnehmerinnen etwas deutlicher ausgeprägt, und Ledige und in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft Lebende sprechen sich deutlicher für die Anerkennung und Segnung aus, ebenso diejenigen, die in Städten oder Kleinstädten leben, verglichen mit Bewohnern von Dörfern. Im Gegensatz zu diesen klaren Antworten zeigt sich bezüglich der Frage, ob gleichgeschlechtliche Partner kirchlich heiraten dürfen sollten, kein klares Bild.

Der Fragebogen war von Anna und Tobias Roth (Westfälische Wilhelms-Universität Münster, WWU) und Sarah Delere von der FU Berlin (Foto von rechts nach links) als kleiner Beitrag zur Umfrage-Initiative „Fragt die Gläubigen!“ von Papst Franziskus gedacht. Neben den Fragen zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften geht es auch um andere heiße Eisen der katholischen Kirche wie den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, Zölibat und Diakonat der Frau. Die Antworten sind nicht nur entsprechend vielfältig, sie sind vielfach auch erstaunlich. So stehen auch in Deutschland die christliche Erziehung, die kirchliche Hochzeit und der Gottesdienstbesuch weit höher im Kurs bei den Gläubigen, als es in der heutigen säkularen Zeit zu vermuten gewesen wäre. Die sehr deutlichen Plädoyers zugunsten eines offeneren Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen, mit dem Zölibat, mit dem Diakonat der Frau und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sind jedoch eindeutig als kollektives Votum der befragten Katholiken gegen die Lehre der katholischen Kirche zu verstehen. Der Fragebogen kann im Internet nachgelesen werden.

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