Köln
   10 Jahre
Foto: Hans Scherhaufer

Meisner entzieht David Berger Lehrerlaubnis

Der katholische Theologe und offen schwul lebende Buchautor darf nicht mehr Religion unterrichten.

Anti-demokratische Kräfte

Dass Homophobie und Religion häufig lediglich im Zusammenhang mit muslimischem Fundamentalismus diskutiert wird, verschleiert die Gefahr durch zunehmend streng konservative Strömungen innerhalb der christlichen Gemeinschaft. Ob Ex-Gay-Bewegung oder wiedererweckte Evangelikale: Anti-demokratische Kräfte sind auch in der christlichen Kirche zuhause.

Dies zeigt einmal mehr der Fall von David Berger. Dieser hat einen erstaunlichen Weg hinter sich: Innerhalb der katholischen Kirche stieg er einst auf zum Professor der Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas von Aquin und Herausgeber der konservativen Zeitschrift "Theologisches". Vor einem Jahr outete sich der 43jährige als schwul und veröffentlichte darüber hinaus ein Buch mit dem Titel "Der heilige Schein. Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche". Darin schildert er die Bigotterie, die er innerhalb der katholischen Kirche als hoch angesehener Theologe erfahren hat. Seinen Lebenspartner, mit dem er seit 1989 zusammenlebt, deklarierte er bei offiziellen Anlässen als seinen "Cousin", was von Kirchenoberen nicht hinterfragt wurde. Dieser Spagat wurde für ihn schließlich unerträglich.

Die Homophobie hat stark zugenommen

Die Professur wurde ihm kurz nach seinem öffentlichen Coming-out entzogen, die Arbeit als Herausgeber der Zeitschrift legte er selbst nieder. Seitdem hat er sich immer wieder zum Thema Homosexualität in der katholischen Kirche kritisch geäußert. Im Interview mit der EXIT kritisierte er, dass "im Rahmen eines umfassenderen Rechtsrucks der katholischen Kirche auch die Homophobie stark zugenommen" habe.

So einigen Kirchenoberen dürften auch seine Thesen zur Anziehungskraft der katholischen Kirche gerade auf schwule Männer ein Dorn im Auge sein. So sieht Berger die "klaren Hierarchien, die reinen Männergesellschaften, die verordnete Ehelosigkeit, mit der man aus dem Manko des Homosexuellseins in der katholischen Welt eine Tugend machen kann" als Gründe für die überdurchschnittliche Häufung homosexueller Männer innerhalb der Institution.

Chance vertan

Am 05.05.11 wurde ihm nun die Lehrerlaubnis für katholischen Religionsunterricht entzogen - eine Aufgabe, die er am städtischen Ville-Gymnasium in Erftstadt ausgeführt hatte. Die Begründung: "Lehre und Lebensführung stimmen mit den moralischen und gesetzlichen Normen der Kirche nicht überein", so die Erklärung des Erzbistums Köln. Einmal mehr hat die katholische Kirche mit diesem Schritt die Chance vertan, sich konstruktiv mit dem Thema Sexualität innerhalb des Klerus auseinanderzusetzen.

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