Gesellschaft
   9 Jahre
Foto: Deutsche Aids-Hilfe

Positiv bloggen

Marcel Dams, wohnhaft in Essen, ist begeisterter Internet-User und HIV-positiv. Das neue Rollenmodell der von der Deutschen Aids-Hilfe initiierten Kampagne "Ich weiß was ich tu" veröffentlicht seine Gedanken und Botschaften am liebsten in Blogs und YouTube-Videos. Markus Girg sprach mit dem 21-Jährigen über sein öffentliches Engagement.

Seit August 2009 weißt du von deiner HIV-Infektion. Kannst du dich an den Tag der Diagnose erinnern?

Ja sicher, das Wetter zeigte sich an diesem Tag von seiner schönsten Seite. Schon die Woche zwischen Blutabnahme und Diagnose wechselte zwischen Hoffen und Bangen, denn ich hatte durch ungeschützten Sex und typische Symptome wie eine Entzündung der Mundschleimhaut bereits die Befürchtung, mich infiziert zu haben. Nachdem ich das positive Testergebnis erhalten hatte, sprach ich sehr lange mit der Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes und redete mir alles von der Seele. Dadurch merkte ich, wie gut eigentlich mein Leben ist - bis auf die Tatsache, dass ich jetzt HIV-positiv bin.

Wann hast du mit deinem Blog begonnen?

Meinen ersten Blogeintrag schrieb ich im November 2009, also etwa drei Monate nach meinem Testergebnis. Ich habe immer schon gerne geschrieben und bin ein Fan von Gedichten und Prosa. Für mich war also das Aufschreiben meiner Gedanken nahe liegend. Ich konnte so der Infektion ein Stück weit einen Sinn geben, mir selbst helfen und zudem anderen etwas Gutes tun. Mit den Positiven, die ich bis dahin in der Öffentlichkeit wahrgenommen hatte, konnte ich mich auch überhaupt nicht identifizieren.

Quasi über Nacht wurdest du zu einer bekannten Person. Wie waren die ersten Reaktionen und wie reagierten Familie und Freunde?

Ich erhielt viel und meistenteils positive Resonanz, überraschender Weise aus ganz unterschiedlichen Ecken: schwule Männer jeden Alters, aber auch Mädels, die es "total toll" fanden, wie ich mit diesem Thema umgehe. Meine Familie, vor allem meine Eltern, standen von Anfang an hinter mir und sind stolz auf meine Art, damit umzugehen. Meine Freunde haben sofort damit begonnen, sich mit dem Thema HIV zu beschäftigen und viel darüber gelesen. Auch für meinen Arbeitgeber war es nie ein Problem.

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