Streit um Felix-Rexhausen-Platz

Erst gab es Streit um den Felix-Rexhausen-Preis, jetzt ist die Diskussion um den Felix-Rexhausen-Platz entbrannt. In Köln sollte eigentlich am 17. Mai, dem internationalen Tag gegen Homophobie, die feierliche Einweihung des Platzes schräg hinter dem Hauptbahnhof stattfinden. Doch das ist nun abgeblasen. Die Politiker, die ein Jahr lang geschlafen haben, sind nun kurz vor dem Ereignis aufgeschreckt und wollen erstmal genau prüfen.

Der gebürtige Kölner Felix Rexhausen (1932-1992) war ein schwuler Journalist und Schriftsteller, gehörte zu den Mitbegründern der deutschen Sektion von Amnesty International und thematisierte bereits in den 60er Jahren in seinen Werken ganz offen das Thema Homosexualität. Zur Würdigung seiner Arbeit und seines Werkes hatte die Bezirksvertretung Innenstadt vor einem Jahr einstimmig beschlossen, den Platz nach ihm zu benennen.

Doch im Werk von Felix Rexhausen gibt es auch Textstellen zum Sex unter oder mit Jugendlichen, insbesondere in seinem 1969 erschienenen fiktiven erotischen Tagebuch „Berührungen“. Bis 1969 galt für Heteros ein Schutzalter von 14 Jahren, während schwule Erwachsene für gleichgeschlechtlichen Sex ins Gefängnis kommen konnten. Nach der Entschärfung des §175 im Jahre 1969 galt das Schutzalter von 14 Jahren für alle. Dementsprechend gab es in den 70er Jahren viele Publikationen, die Sex zwischen Erwachsenen und Jugendlichen als normal betrachteten. Später wurde dies aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse anders bewertet. Dieses Problem holte bekanntlich auch die Grünen vor zwei Jahren ein.

Auch der „Bundesverband lesbischer und schwuler JournalistInnen“ (BLSJ) durchlebte den gleichen Konflikt, als einige Mitglieder deshalb den vom Verein jährlich verliehenen Felix-Rexhausen-Preis umbenennen wollten. Die Diskussion wurde damals sehr engagiert geführt, dafür wurden aber auch vertiefte Argumente ausgetauscht. Am Ende entschied man sich für die Beibehaltung des Namens, einige Gegnerinnen traten aus.

Anlass für die neue Aufregung ist nun ein Beitrag von David Berger in der Huffington Post. Dort hat der Journalist, der vor kurzem vom Männer-Magazin als Chefredakteur entlassen worden war, die betreffenden Stellen im Werk von Felix Rexhausen als „pädosexuell“ bezeichnet und die Frage gestellt, ob diese Würdigung heute noch angemessen sei.

Der BLSJ kritisiert nun die Entscheidung der Stadt Köln. Sie basiere auf einem schlecht recherchierten Artikel. Rexhausen habe Sex mit Kindern explizit abgelehnt und nur Sex mit Jugendlichen thematisiert. Auch habe das Schutzalter damals bei 14 Jahren gelegen und sei erst 1994 auf 16 Jahre angehoben worden. Bei den Vorwürfen gegen den Autor würden einzelne Zitate absichtlich aus dem politischen Kontext gerissen.

Das könnte dich auch interessieren
 

Mein inqueery