Gesellschaft
   10 Jahre
Foto: Günter Amendt / YouTube

Tod eines Sex-Pioniers

Sex und Drogen waren seine Themen: In Hamburg ist am Wochenende der Sozialwissenschaftler Günter Amendt bei einem Verkehrsunfall getötet worden. Sein Buch "Sex-Front" machte den schwulen Autor 1970 berühmt. Amendt wurde 71 Jahre alt.

Auf Drogen hinterm Steuer

Es war der schwerste Verkehrsunfall in Hamburg seit zehn Jahren. Auf einer Kreuzung in Eppendorf war ein 38-Jähriger unter Drogeneinfluss in eine Fußgängergruppe gerast. An einer Ampel wartete Günter Amendt mit einem befreundeten Ehepaar. Der Sozialwissenschaftler, der in Hamburg gelebt und gearbeitet hatte, wurde unter dem Auto begraben und starb noch an der Unfallstelle. Das Ehepaar sowie eine Radfahrerin kamen ebenfalls ums Leben.

Er sein ein Mann, der aus seiner Homosexualität keinen Hehl mache, hatte Amendt noch vor wenigen Jahren geschrieben. Fragen der Sexualität hatten ihn immer beschäftigt, später wandte er sich wissenschaftlich in der Hauptsache dem Thema Drogen zu. 1972 hatte er mit einer empirischen Arbeit über das Sexualverhalten Jugendlicher in der Drogensubkultur promoviert.

Sex ist nichts Anstößiges

Im öffentlichen Bewusstsein war es vor allem Oswald Kolle, der als "Aufklärer der Nation" Karriere machte. Amendt hatte mit "Sex-Front", von dem über 500.000 Exemplare verkauft wurden, sowie dem 1979 erschienenen "Sex-Buch" aber ebenfalls eine bedeutende Stellung in einer von Prüderie und Tabus geprägten Gesellschaft eingenommen. Sein Credo: Sex ist nichts Anstößiges, Homosexualität ebenso wenig, auch für Selbstbefriedigung müsse sich niemand schämen.

Amendt plädierte für einen offenen Umgang mit dem vermeintlichen Tabuthema - vor allem zwischen denen, die Sex miteinander haben wollten und sich über ihre Wünsche austauschen sollten. Das war, auch noch lange vor Aids, alles andere als selbstverständlich. In seinen Büchern wurde gleichgeschlechtlicher Sex unter jungen Menschen erstmals in Deutschland unverkrampft thematisiert, auch Amendt selbst ging mit seinem Schwulsein offen um. Auch dies zu einer Zeit, in der man sich als Homosexueller auch im linken Milieu noch keine Freunde machte.

"Amendt hatte mit seinen Büchern als ehemaliger Aktivist des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds geschafft, was Freunde wie Rudi Dutschke oder Hans-Jürgen Krahl nicht gegeben war: Sich populär mitteilen zu können, ohne banal zu wirken", schreibt Jan Feddersen in seinem Nachruf auf Spiegel online.

Bittere Ironie

Gemeinsam mit Martin Dannecker, Volkmar Sigusch und Reimut Reiche hatte sich Amendt vergeblich dafür eingesetzt, dass an der Universität Hamburg ein Lehrstuhl für die Soziologie der Sexualität eingesetzt wird. Als Publizist wandte er sich schließlich vom Sex-Thema ab, als die aufklärerische Wirkung gegriffen hatte. Fortan widmete sich Amendt vor allem dem Thema Drogen, ließ dabei aber nie die politische und wirtschaftliche Dimension des Drogenhandels außer Acht.

Zuletzt hatte er sich noch einmal mit einem viel beachteten Essay zum sexuellen Missbrauch zu Wort gemeldet. Am Samstag starb Günter Amendt in Eppendorf bei einem Verkehrsunfall. Bittere Ironie des tragischen Unglücks: Der Unfallfahrer, der leicht verletzt davon kam, stand unter Drogen.

 
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