NRW
   10 Jahre
Foto: F.E.L.S.

Wieder Ärger mit der Kirche

Münsters schwules Schützenpaar soll getrennt auftreten; praktizierte Homosexualität "ist objektiv sündhaft". Schwule und Lesben demonstrierten in Essen.

"Möglichst vorbildliches Ehe- und Familienleben"

Ein schwuler Schützenkönig regiert seit Juni die katholische Schützenbruderschaft St. Wilhelmi - und sorgt damit nicht nur für reges Aufsehen, sondern auch für ein Novum in der Stadt. Die Reaktion der Amtskirche in Form des Kölner Weihbischofs Heiner Koch ließ nicht lange auf sich warten: Der langjährige Partner des Schützenkönigs dürfe bei offiziellen Auftritten nicht in der gleichen Reihe aufmarschieren, fordert nun der Geistliche.

Da die Bruderschaft den Leitsatz "Für Glaube, Sitte und Heimat" trage, sei es besonders wichtig, ein "möglichst vorbildliches Ehe- und Familienleben" an den Tag zu legen. Hier habe das "Sakrament der Ehe eine wesentlich tiefere Bedeutung als jede andere Lebenspartnerschaft", so das Präsidium des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften gemäß einem Bericht der Neuen Westfälischen Zeitung.

Doch kein Bischof der Schwulen?

Auch in Essen sorgte ein Vertreter der katholischen Kirche für Verärgerung: Dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck zufolge sei praktizierte Homosexualität "objektiv sündhaft, auch wenn homosexuellen Menschen mit Achtung zu begegnen ist", so der Geistliche gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Enttäuschend findet Klaus-Peter Hackbarth vom Forum Essener Lesben und Schwuler (F.E.L.S.) vor allem das kleine, aber feine Detail, es handle sich dabei "objektiv" um eine Sünde. "Damit beansprucht der Ruhrbischof, dass seine Vorstellungen und die der katholischen Kirche einer absolut gültigen Wahrheit entsprechen", so Hackbarth gegenüber inqueery.de. "Eigentlich waren wir in Gesprächen mit ihm schon mal einen Schritt weiter." In denen hatte Overbeck im vergangenen Jahr zwar das katholische Idealbild der heterosexuellen Beziehungen bekräftigt, andere Lebensweisen würden allerdings durchaus akzeptiert, so der Würdenträger: "Ich will auch Bischof der Schwulen sein."

Verschlossene Türen

Am 5. August ließen rund 30 Demonstranten vor dem Essener Wohnsitz des Bischofs ihrem Unmut freien Lauf: Rosa und schwarze Winkel mit den Sätzen "Herr Bischof, wir sind und bleiben objektiv schwul" und "Herr Bischof, wir sind und bleiben objektiv lesbisch" wurden im Vorgarten hinterlassen, eine Pressemitteilung in seinen Briefkasten geworfen, da "die Tür für uns leider verschlossen blieb und keine Reaktion erfolgte", so Hackbarth.

Am Montag um 19.05 Uhr wird Overbeck in der WDR-2-Sendung "MonTalk" zu Gast sein. Ob und wie die Vorfälle angesprochen werden, ist unklar.

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