Köln
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Foto: Aidshilfe Köln

Aidshilfe Köln feiert 30-jähriges Bestehen

Die Aidshilfe Köln feiert in dieser Woche ihr 30-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie am 26.11.1985, als die Ausbreitung von Aids aus den USA für große Diskussionen und Verunsicherung innerhalb der schwulen Community gesorgt hatte. Die meisten konnten die Meldungen über die neue Krankheit aufgrund mangelnden Wissens nicht richtig einordnen. Mit der Gründung des Vereins sollte diese Verunsicherung behoben werden. Wichtig war, dass die Hauptbetroffenen-Gruppen in die Vereinsarbeit integriert wurden.

Gegen das Einsperren von Infizierten in Lagern

Ende der 80er Jahre folgte allerdings zunächst ein heftiger politischer Diskurs, wie der richtige Weg in der HIV-Prävention aussehen sollte. Die damalige Gesundheitsministerin, Prof. Dr. Rita Süßmuth, überzeugte mit Hilfe einer ganzen Reihe von Expertinnen und Experten die damalige Bundesregierung, dass nur der Weg der Beteiligung der Hauptbetroffenen-Gruppen und ein entschiedenes Nein zu jeder Form von Diskriminierung der mit dem HI-Virus Infizierten und an Aids Erkrankten erfolgversprechend sein würde. Damit wurden Fantasien und konkrete Planungen von Lagern und Absonderung Infizierter eine Absage erteilt und gleichzeitig der Weg für eine zielgruppenorientierte Präventions- und Betreuungsarbeit der regionalen Aidshilfen mit ihrem damals ebenfalls gegründeten Dachverband, der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH), frei gemacht. Zu Beginn waren es sehr viele schwule Männer, die Aidshilfen gründeten, so auch bei der Aidshilfe Köln. Unter anderen gehörten Georg Roth und Jean-Claude Letist zu den Gründungsmitgliedern.

Zur Feier des Jubiläums hatte die Aidshilfe am Sonntag 170 Gäste ins Studio Dumont eingeladen. Bei dieser Gelegenheit erinnerte Vorstandsfrau Elfi Scho-Antwerpes daran, dass sich in der ehrenamtlichen Arbeit von Anfang an auch viele Frauen engagierten, in der Betreuung und der Telefonberatung. Bis heute seien die ehrenamtlich arbeitenden Frauen und Männer für die Arbeit der Aidshilfe unverzichtbar. Neben den 30 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann sich die Aidshilfe Köln bis heute auf die Unterstützung von rund 200 Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern verlassen, die den Verein bei Veranstaltungen wie dem Run of Colours, dem Welt-Aids-Tag und während des CSDs oder bei der Präventionsarbeit helfend zur Seite stehen.

Das Motto: Keine Rechenschaft für Leidenschaft

Die Fortschritte in Medizin und Gesellschaft sorgten in den letzten Jahren immer wieder für eine Neuausrichtung der Arbeit. Doch auch nach 30 Jahren passt das Motto „Keine Rechenschaft für Leidenschaft“. Ein Motto, das aus den Anfangsjahren der Positiven-Selbsthilfe stammt.

Auch über dreißig Jahre nach dem Auftreten des HI-Virus und mit Unterstützung einer liberalen Politik der Parteien und gesellschaftlicher Gruppen, sofern diese nicht am rechten Rand angesiedelt sind, fehlt bis heute eine vollständige rechtliche Gleichstellung schwuler Männer ebenso wie größere Erfolge einer Entkriminalisierung von Drogengebrauchern. Der Umgang der Politik mit weiblichen und männlichen Sexarbeiterinnen ist eher dogmatischer geworden und verfolgt möglicherweise ein moralisches Ziel. „Hier liegen einige der Gründe, warum Menschen auch heute immer wieder stigmatisiert werden, wo Akzeptanz der Person und des Lebensstils notwendig wäre“, so Scho-Antwerpes.

Viele HIV-Positive wissen nichts von ihrer Infektion

Die Stigmatisierung trägt maßgeblich dazu bei, dass rund 14.000 Menschen, die positiv sind, nichts von ihrer Infektion wissen. Aus Angst vor den Folgen lassen sich viele nicht testen, obwohl sie ein mögliches Risiko hatten. Eine frühe Diagnose ist wichtig, um rechtzeitig mit einer Behandlung mit den passenden Medikamenten zu starten. „Auch wenn bei manchen in den letzten Jahren ein anderer Eindruck entstanden ist: Aids ist nach wie vor nicht heilbar und Prävention weiterhin unverzichtbar“, sagte Festrednerin Prof. Dr. Elisabeth Pott. Die Aidshilfe Köln bietet deshalb im Checkpoint in der Pipinstraße 7 kostenlose und anonyme Schnelltests an.

Zum Jubiläum hat die Aidshilfe das „30 Jahre Aidshilfe Köln Magazin“ erstellt. Auf 62 Seiten erhalten die Leserinnen und Leser einen Überblick über die letzten drei Jahrzehnte, aber auch einen Ausblick in die Zukunft. Das Heft liegt im Empfang der Aidshilfe Köln in der Beethovenstraße 1 aus und kann dort kostenfrei mitgenommen werden.

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