anyway-Talk mit Hella von Sinnen

"Lesbische Superheldinnen: Das können die fiktiven Comic-Charaktere sein, die die Welt retten. Oder aber die echten Vorbilder, die role models, die als Orientierung dienen", sagt Moderatorin Sina Vogt zu Beginn des anyway-Talks, der auch auf YouTube angeschaut werden kann:

Bei der Diskussion ist eine echte Superheldin dabei: Lilian-Felicitas „Lilo“ Prudlo, die im preisgekrönten Kurzfilm „Blake“ die Hauptrolle der lesbischen Heldin mit Superkräften spielt. „Sie ist eine Heldin mit Brüchen“, erklärt Lilo. „Sie ist keine Wonder Woman. Wir wollten ein neues Bild kreieren und von Klischees absehen.“ Für sie persönlich sei Kathryn Janeway aus Star Trek ein Vorbild gewesen.

Für Susanne Bonnemann, „Berufslesbe“ von der Diversity-Stelle der Stadt Köln, waren es dagegen die prominenten Lesben, die sie als Heldinnen ihrer Coming-out-Phase bezeichnet. „Die einzigen Lesben, die ich kannte, waren Martina Navrátilová und Hella von Sinnen.“ Später seien Maren Kroymann und Anne Will dazu gekommen. Doch auch Bücher und Filme mit lesbischem Inhalt enthielten wichtige Figuren für sie. Susanne Bonnemann selbst war mit ihrer Partnerin und den Kindern Teil einer WDR-Reportage über Stiefkindadoptionen. „Es war uns wichtig, das zu machen, damit es sichtbarer wird.“

Joanna Stange, Künstlerin und anyway-Mitarbeiterin, fiel es schwer, überhaupt weibliche bzw. lesbische Heldinnen zu finden. Sie nannte insbesondere Astrid Lindgren als ihr weibliches Vorbild. Schon kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges, hatte sie Figuren geschaffen wie Pippi Langstrumpf und später Ronja Räubertochter, dessen Charaktere noch heute herausstechen und vielen Mädchen durch ihre Stärke und Unangepasstheit motivieren, Rollenklischees über Bord zu werfen.

Das Coming-out der Tennisspielerin Martina Navrátilová als „Offenbarung“

Und dann ist da noch Hella von Sinnen, die für viele selbst ein Vorbild ist. „Sie war immer die, die voranging“, beschreibt Moderatorin Sina Vogt die Entertainerin. Von Sinnen hat sich früh an Medien orientiert. Superheldinnen aus Comics oder Schauspielerinnen waren wichtig für sie, etwa Grethe Weiser, Bette Davis oder Barbara Stanwyck. „Auf die bin ich abgefahren, in die war ich total verknallt.“ Vorbilder waren sie aber nicht, eher Rollenmodeelle: „Ich habe keine Vorbilder. Ich wollte immer ich sein, wollte immer etwas Neues machen, was es so noch nicht gab.“


Das kann auch daran liegen, dass es von Sinnens Jugend kaum sichtbare lesbische Frauen gab. „Als Kind habe ich gedacht, dass ich krank bin.“ Dass sich mit Martina Navrátilová dann eine Tennisspielerin von Weltrang geoutet hat, bezeichnet Hella von Sinnen als „Offenbarung“. Wenn ihr heute jemand sagt, Homosexuelle hätten doch alles erreicht, kann sie nur den Kopf schütteln. „In der Popkultur, in Comics, da sind wir immer noch seltene Ausnahmen. Mir reicht das alles überhaupt nicht.“

Wie wichtig jedoch starke Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit sind, erklärt Joanna Stange: „Wir suchen Menschen, an denen wir uns orientieren können. Durch weibliche, lesbische Vorbilder bekommt Lesbischsein mehr Selbstverständlichkeit.“ Viele lesbische Charaktere würden immer noch männliche Erwartungen bedienen.

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