Köln
   11 Jahre

Kampf dem Rasenmäher

Die Mitglieder der Stadt-AG Lesben, Schwule und Transgender sind sich uneinig über das richtige Vorgehen in der Krise. Der Rotstift zieht seine empfindlichen Kreise: Erhielten die sozialen Träger mangels eines gültigen städtischen Haushalts zunächst noch Abschlagszahlen nach dem Ansatz aus 2009, wurden mit Beginn des zweiten Quartals die mit dem anstehenden Doppelhaushalt 2010/11 zu erwartenden Kürzungen von pauschal zehn Prozent bereits vorweggenommen. Die Liga der Wohlfahrtsverbände hat sich zur Kampagne „Kölner gestalten Zukunft – Vereint gegen Sozialabbau“ zusammengeschlossen. Die in der Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender vertretenen Initiativen indes sind sich über ihr weiteres Vorgehen gegenüber der rot-grünen Ratskoalition nicht einig.

Die Stadt-AG unter Marlis Bredehorst

Die Stadt-AG wurde ins Leben gerufen, um Politik und Verwaltung in Angelegenheiten der Community zu beraten, als Geschäftsführerin fungiert Sozialdezernentin Marlis Bredehorst. Neben Vertretern der Ratsparteien und aus der Verwaltung haben derzeit acht Organisationen Sitz und Stimme, der Kreis soll noch ausgebaut werden.

Fünf von ihnen, der Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST), der SC Janus, die Kölner Ortsgruppe des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD), die Aidshilfe Köln und die Schwule Initiative für Pflege und Soziales, halten Kürzungen angesichts der Haushaltslage für unabwendbar, wehren sich jedoch gegen pauschale Schnitte nach der Rasenmähermethode. Sie bieten der Stadt an, in eigener Verantwortung eine Bestandsaufnahme über „die aktuelle Situation und zukünftige Bedarfslage“ zu erstellen und dabei zu prüfen, ob „strukturell oder projektbezogene Synergien freigesetzt“, sprich: zum Beispiel Arbeitsbereiche zusammengelegt werden können. Im Gegenschritt erwartet die Fünfer-Gruppe von der Politik, den Schwulen- und Lesbenbereich bis Ende 2011 unangetastet zu lassen, so ein internes Papier.

Gegenstimmen

So ein weitgehendes Mandat jedoch billigen das Beratungszentrum Rubicon, das Jugendzentrum Anyway und das Stricherprojekt Looks der Stadt-AG nicht zu. Sie verstehen sich „als Anwalt“ ihrer Nutzer(innen) und wollen sich selbst „gegenüber Politik und Verwaltung für den Erhalt und Ausbau dieser Angebote einsetzen“, so das Gegenpapier. Ein eigenständiger Prozess der Stadt-AG schaffe einen Sonderweg. „Die drei Einrichtungen präferieren das gemeinsame Vorgehen“ im Rahmen der Kampagne der Wohlfahrtsverbände.

„Hat die Stadt-AG eine eigene Kompetenz oder Berechtigung, die über Interessen einzelner Träger hinausgeht?“, fragt Markus Danuser. „Wir als KLuST sagen ja!“ Carolina Brauckmann vom Rubicon mag dem folgen, so lange es um Themen wie Homophobie, Antigewaltarbeit oder die Abwehr eines homogastrofeindlichen Bebauungsplans in der Altstadt angeht. „In dem Moment, wo darüber verhandelt wird, ob Ressourcen abgebaut werden, finde ich diesen Kreis zu eng. Unsere Ansprechpartner in der Jugend- oder Familienarbeit sind andere als die für die Stadt-AG.“

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