Köln
   8 Jahre
Foto: KLuST

Sind wir nur der rosa Karneval?

So etwas kann es nur in Köln geben: Das CSD-Motto 2014 bezieht sich auf den Karneval. Es lautet „Wir sind ‚nur’ der rosa Karneval“. Also nur Klamauk und keine Politik? Nicht ganz. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die verwendeten kölschen Liedzeilen als durchaus politisch.

Mit dem Plakatmotiv „Da simmer dabei, dat is prima“ will der CSD-Veranstalter, der Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST), die Präsenz von Schwulen, Lesben und Trans* in der Stadtgesellschaft demonstrieren. „En unserem Veedel“ weist auf die Bereicherung Kölns durch Schwulen und Lesben hin. „Echte Fründe stonn zesamme“ soll an den Zusammenhalt innerhalb der Community erinnern.

Andere Motive greifen politische Diskussionen der letzten Monate auf: „Nä, nä, dat wesse mer nit mih, janz bestemp nit mih, un dat hammer nit studiert“ nimmt Bezug auf die heiße Diskussion über den Bildungsplan in Baden-Württemberg und ist ein Appell, die Aufklärung über sexuelle Vielfalt in die Lehrpläne aufzunehmen. „Mer stonn zu dir“ ist ein Beitrag zur Debatte über das Outing von schwulen Fußballern. „Super jeile Zick“ erinnert daran, dass sich die Zeiten erst vor wenigen Jahrzehnten geändert haben und dass Schwule, die bis in die 60er Jahre von Gesetz und Polizei verfolgt wurden, bis heute keine Entschädigung erhalten haben.

„Et jitt kei Wood, das sage künnt, wat ich föhl“ will daran erinnern, dass ein Coming-out keine leichte Sache ist. „Janz ejal, janz ejal, ob do Hohn bes oder Hahn“ verweist darüber hinaus auf die besonderen Probleme von Transsexuellen hin, während „Drink doch eine met“ die Menschen mit Behinderung einlädt. Das Plakat „Denn mir sin kölsche Mädcher“ thematisiert die Sichtbarkeit von Lesben.

Mit der Neuinterpretation bekannter Liedzeilen startet der KLuST ein interessantes psychologisches Experiment: Bleibt dieser neue Inhalt in den Köpfen hängen? Können wir die bekanntesten Karnevalslieder in Zukunft überhaupt noch unbefangen mitsingen? Dies gilt besonders für „Su lang mer noch am Lääve sin“, einen Verweis auf Gewalt gegen Schwule und Lesben. Wenn uns solche Gedanken beim Feiern in Zukunft auch nur einen kleinen Moment streifen sollten, hätte die Kampagne des KLuST trotz ihres auf den ersten Blick oberflächlichen Mottos viel erreicht.

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