Arte-Doku über Wilhelm II. ausgezeichnet

Der Erste Weltkrieg wäre möglicherweise nicht ausgebrochen, wenn Wilhelm II. auf einen Kreis schwuler Berater gehört hätte, mit dem sich der deutsche Kaiser jahrzehntelang umgab. Um diese erstaunliche These geht es in der meisterhaften TV-Dokumentation „Des Kaisers schmutzige Wäsche“ (ZDF/Arte 2013) von Claus Bredenbrock. Für seinen Film ist der Autor und Regisseur vom Bund Lesbischer und Schwuler Journalistinnen (BLSJ) mit dem Felix-Rexhausen-Preis 2013 ausgezeichnet worden.

Das Thema der Dokumentation ist nach Ansicht des BLSJ bis heute relevant, weil die Ereignisse des frühen 20. Jahrhunderts Mitauslöser für die jahrzehntelange Homosexuellenverfolgung in Deutschland und der Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas gewesen seien. „Ein historisches Thema, von Anfang bis Ende spannend erzählt. So müssen Geschichtsdokumentationen sein!“, lobte Arnd Riekmann namens der Jury.

Auch die beiden anderen in diesem Jahr nominierten Beiträge lobte die Felix-Rexhausen-Jury ausdrücklich. So zeige ORF-Reporterin Nina Horowitz in „Wenn Frauen Frauen lieben“, dass Lesbischsein in Österreich offenbar immer noch ein Tabu sei. NDR-Autor Lennart Herberhold schildere mit seinem Magazin-Beitrag „Homosexuelle und der Paragraf 175“ für das NDR-Kulturjournal auf erschütternde Weise eines der dunkelsten Kapitel bundesdeutscher Justizgeschichte. „Diese Beiträge sollten sich Journalisten und Redaktionen zum Vorbild nehmen für die eigene Berichterstattung über lesbische und schwule Themen“, so der Appell von Jury-Mitglied Arnd Riekmann.

Mit einem undotierten Sonderpreis zeichnete die Jury in diesem Jahr die beiden Nachwuchsreporter Stefanie Fetz und Max Muth aus. Ihr Beitrag „Die Geisterspiele“ aus „Franz Josef“, sei ein mutiger und packend geschriebener Artikel über die schwul-lesbischen Eurogames 2012 in Budapest, die wegen Drohungen von Rechtsradikalen und dem zurzeit allgemein homosexuellenfeindlichen Klima in der ungarischen Hauptstadt nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden.

Der Felix-Rexhausen-Preis ist mit einem Preisgeld von 500 Euro dotiert. Der BLSJ vergibt den Preis seit 1998 jedes Jahr und würdigt damit ein besonderes publizistisches Engagement bei der Berichterstattung über Lesben, Schwule und Bisexuelle.

Felix Rexhausen, der Namenspatron des Preises, wurde 1932 in Köln geboren und starb vor 21 Jahren in Hamburg. Zusammen mit Carola Stern und Gerd Ruge war er Mitbegründer der deutschen Sektion von Amnesty International. Er arbeitete sowohl für den Rundfunk als auch für Zeitungen und Zeitschriften und war auch als Schriftsteller tätig. Schon zu Zeiten, als noch der alte Paragraf 175 galt, trat Rexhausen selbstbewusst als schwuler Journalist auf, indem er die Lebensumstände homosexueller Männer eindringlich, aber auch ironisch und selbstkritisch thematisierte.

Der BLSJ ist ein deutschlandweites Netzwerk und verbindet rund 200 lesbische und schwule JournalistInnen. Er setzt sich seit 16 Jahren für faire und realitätsgetreue Berichterstattung über Lesben und Schwule ein.

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