Köln
   11 Jahre
Foto: Ehapa Verlag

Interview: Ralf König

320 Seiten prall ist der Sammelband, der alle in Magazinen erschienenen Comics in gediegenes Hardcover bannt. "Ralf König ist nicht nur ein genialer Zeichner, Ralf König ist ein Meister der Sprache", schreibt der nicht immer zimperliche TV-Literaturkritiker Denis Scheck in einem fast hymnischen Vorwort. Am 12. Mai erschien "Der dicke König", am 28. Mai vertont der Autor selbst seine Sprechblasen beim "Sommerblut-Kulturfestival" im Kölner Gloria-Theater. Torsten Bless hat mit ihm gesprochen.

Wie ist die Idee entstanden, die Magazin-Comics zu einem "Dicken König"zusammenzufassen?

Mein Freund arbeitet bei Ehapa, dem altehrwürdigen Comicverlag, die machen "Asterix" und "Lucky Luke" und so. Im Urlaub beim Strandgang erwähnte ich, dass ich die vielen farbigen Kurzgeschichten gern mal gesammelt im Hardcover sehen würde. Das hat er sich natürlich gemerkt und Ehapa fand das ne gute Idee. Nun gibt’s mich in edel, mit Lesebändchen. Ich dachte schon mal, der Verlag hätte Olaf bezahlt und auf mich angesetzt. Dunkelhaarig und Vollbart, da bin ich ja gleich willenlos.

Letztes Jahr bist du 50 geworden, hast schon eine große Ausstellungs-Retrospektive hinter dir, jetzt diese Zusammenstellung, deren Vorwort auch noch von Denis Scheck verfasst wurde. Was macht das mit dir?

Na ja, das puschelt schon etwas. Ich bin meinem Lesepublikum wirklich dankbar, ich lebe nun seit 30 Jahren vom Comiczeichnen, das ist schon bemerkenswert, gerade in Deutschland, wo das Medium wenig geschätzt wurde. Die Comics im "Dicken König" sind monatlicher Stoff aus elf Jahren, für "Männer aktuell" und die französische Satirezeitschrift "Fluide Glacial" oder Tageszeitungen.

Ich hoffe, das mit dem Zeichnen funktioniert noch ein paar Jahre, das Jungvolk tippelt ja lieber auf den Smartphones rum statt Comics auf Papier zu lesen. Bei einem Seminar in der Uni Wuppertal fragte mich neulich eine Anfang 20-jährige Studentin, warum ich mich "denn so viel mit Homosexuellen auseinandersetze".

Mit welchen Gefühlen blickst du auf deine alten Comics zurück?

Mit nostalgischen manchmal, da steht ja, was mich in verschiedenen Lebensphasen beschäftigt hat. Anlass für Comics waren zum Beispiel unglückliche Lieben oder Sexfrust oder die Olympischen Spiele in Athen und das Barbra-Streisand-Konzert in Berlin, es wurde über "Straight Acting" diskutiert, den Karikaturenstreit oder ob Hitler schwul war. Es sind Momentaufnahmen, ein bisschen wie Tagebücher.

"Wie viele Menschen meiner Generation habe ich mit Comics lesen gelernt", schreibt Denis Scheck. "Mit den Comics kann man denken lernen." Ist das dein Ansatz, die Menschen zum Denken zu bringen?

Nicht primär. Erst mal ist es der Kampf um die Pointe, es muss Spaß machen. Aber klar hab ich oft was zu mäkeln, das kommt dann in die Sprechblasen.

In vielen Storys nimmst du die Konformität der Schwulen auf die Schippe, schon 2002 die ewig gleichen Programme auf Straßenfesten, zwei Jahre später den immer unpolitischeren CSD. Hat sich da in deiner Wahrnehmung etwas seit dieser Zeit getan, zum Schlimmeren oder Besseren?

Also ich bin nicht mehr in der ersten Reihe und kann mich auch täuschen, vielleicht ist das die Arroganz des Alterns, aber ich vermute, es ist alles beim Alten, nur Madonna heißt jetzt Lady Gaga.

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