Kultur
   6 Jahre
Foto: Standfoto aus „Ma Ma“ ©MFA / Penélope Cruz als Magda und Asier Etxeandia als Julián, ihr schwuler Gynäkologenfreund

Ma Ma - der Ursprung der Liebe - Kinostart

Wer je in spanischen oder portugiesischen Landen mit Freunden von dort unterwegs war, wird wissen, wie sie auf dem Heimweg oder beim nächsten Essen die Lieder dieses Filmes im Chor singen werden - besonders eines. Die Hymne an das Leben, die der schwule Gynäkologe der mutmaßlich todkranken Freundin singt, die für ihn die schönste Frau seines Lebens ist.

Der wirklich sehende Blick zwischen Menschen steht im Zentrum des Filmes. Und so schwelgt auch die Kamera in den Gesichtern des Filmes, nicht zuletzt im Anblick der Schönheit von Penelope Cruz. Das ruft Bilder wach an die Marienverehrung, die in Spanien jung und alt ergreift, wenn sie ihre Marienfiguren in der Karwoche durch die Gegend tragen und „Was für eine Schöne!“ rufen. Nicht umsonst heißt sie hier aber Magda - wie sie im Film sagt, die Kurzform für Magdalena. Deren Empfängnis ist nämlich ganz und gar nicht unbefleckt. Denn mit Unterstützung des singenden Gynäkologen holt sie sich als Hetera das, was sie in ihrem vielleicht nicht mehr langen Leben von weiteren Männern noch will: Sinnenfreude und die Tochter, die sie bereits als Schwester für ihren geliebten Sohn visioniert.

Dieses Drama ist kein übliches naturalistisches, sondern erzählt mit feinem Humor vor allem von Lebensfreude. Es ist vielmehr eine Ode an das Wunder des Lebens, an Lieben, an Kinder, an Regenbogenfamilien... an den Sommer, das Meer und an den Fußball, also an Real Madrid. Ein durch und durch spanischer Film, der von archaischen Themen und Bildern handelt, die alle Menschen treffen: vor allem vom Leben, das durch den Tod erfahren wird - und dabei mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit auch von möglichen queeren Lebensentwürfen erzählt.

Vorab viel von der Story zu verraten, wäre in diesem Fall ein Spoiler. Gesagt sei nur so viel: es gibt mehrere Wenden, denn das Schicksal spielt eine Mehrfachrolle, und: in diesem Gefühlskino steckt überraschend viel mehr drin, als man erwarten würde.

Regisseur Julio Médem ist einer der wichtigsten lebenden spanischen Filmregisseure. Er arbeitet viel mit kultureller Symbolik und arachaischen Themen, weshalb seine Filme oft Kultstatus erlangt haben, was sich für „Ma Ma“ auch prophezeien lässt.

Ein Kinobesuch für die ganze Regenbogenfamilie, der Homos und Heten anschließend zusammen weinen, lachen und feiern lässt. Ein Film für die Kinder, die wir alle sind - als Ode an „Mama“, spanisch für die Brust und die Mutter - an den Ursprung der Liebe, der im Film als Bild einer Vagina an der Wand hängt. In Deutschland wird die umstrittene ungeschnittene Fassung des Films gezeigt, inklusive der Szenen aus dem "Origen del Mundo" - die letztlich aber nichts zeigt, was ein Kind nicht sehen sollte (FSK 12), allerdings im wortwörtlichen Sinn viel sehr direkt andeutet. Dieser Film ist nicht puritanisch und erzählt dabei, dass in den wichtigsten Liebesbeziehungen, Sexualität keine Rolle spielen muss. Und last but not least, ein Film, in dem mit Kindern über den Tod gesprochen wird, und der jedem und jeder ihren Glauben oder ihre Philosophie lässt.

Ein Film, der zu einer Filmbesprechung verleitet, die statt des üblichen sachlichen Stils ein bisschen herumschwelgt, weil wir viel zu selten mal richtig herumschwelgen, aber es doch mal gut tut, aus vollem Halse sowas wie „Gracias a la Vida“ mit zu singen. Oder eben, wie in diesem Film, wenn Schwule ein Remake von Nino Bravos „Vivir“ singen:

Denken, reden, träumen,
weinen, kämpfen, lachen,
fühlen, lieben, leiden,
das ist leben.
Träumen, von dem was unseres war,
Leidenschaften trinken,
immer weiter vorwärts gehen, obwohl es weh tut, das ist leben.
Das ist Leben.

 

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