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Homosexualität im Profi-Fußball

Signale im Kampf für mehr Toleranz Homosexualität im Profi-Fußball

Öffentlich zu seiner Homosexualität zu stehen bedeutet für einen Profi-Spieler – egal ob Fußball, Eishockey – auch heute noch schlimme berufliche wie auch persönliche Konsequenzen. Ein Outing gilt oft als Schranke und ist gerade im Fußball verpönt, auch wenn die Branche selbst das bestreitet. Gemäß einiger Umfragen sind 10 bis 15 Prozent der deutschen Männer homosexuell. Demnach liegt es nahe, dass es auch in den deutschen Profi- und Amateur-Ligen einige homosexuelle Spieler geben muss. Im deutschen Profifußball spielt schätzungsweise einer in jeder Mannschaft.

Deutschlands Stadien sind leider von einer Akzeptanz der Homosexualität immer noch so weit weg, wodurch ein öffentliches Outing alles andere als gefahrenfrei wäre. Wenn sich Betroffene also ein Coming-Out wünschen, sollten sie sich des emotionalen Drucks und der daraus resultierenden Schwierigkeiten unbedingt vorher bewusst sein. Ansonsten bleibt ihnen wohl kaum eine andere Perspektive, um ihrem Wunsch nachzukommen, als ihre Profi-Karriere zu beenden.

Wichtige Zeichen setzen

Bei einem Profi-Spiel in den USA wurde zuletzt aufgrund einer homophoben Provokation der gesamte Spielablauf beendet. So ein unübersehbares Symbol sollte sich die europäische Fußballgesellschaft zum Vorbild nehmen! Denn Homophobie und Transphobie im Fußball sind noch immer präsent. Mit dem Preis für Thomas Hitzlsperger werden zwar erste Schritte in die richtige Richtung getan, aber immer noch zu wenige. Gerade deshalb sollten alle gemeinsam ein Zeichen setzen, um den Weg zur Toleranz zu ebnen.

1. Die Beteiligung der Sponsoren

Sponsoren haben Einfluss. Deshalb braucht es unbedingt welche, die auch als homosexuell geouteten Spielern Verträge geben. Dadurch kann sich der Kreislauf von Sportler, Sponsor und Werbung schließen. Wenn die werbende Person mit einer guten Idee und einer passenden Firma zusammenarbeitet, birgt das ein geringes Risiko für öffentliche Intoleranz in sich. Außerdem kann sich Sportsponsoring so daran beteiligen, Homosexualität zur gewöhnlichsten Sache der Welt zu machen.

Beispielsweise durch neue seriöse Wettanbieter und moderne Unternehmen wie VW, Expedia oder Iglo. Letztere wurden 2001 deutschlandweit durch den Werbe-Spot bekannt, in dem sich das homosexuelle Paar Holger und Max die Tortelloni mit Käse-Sahne-Sauce teilt. Einflussreiche Sponsoren aus allen Sektoren, von Buchmachern bis zu Modeherstellern, müssen sich bei Kampagnen gegen Gewalt in den Stadien, Fremdenhass, Homophobie und Depression vermehrt engagieren.

Es gibt vielversprechende Beispiele: Volkswagen hat während der Diskussion über die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe deutlich gemacht, wie rückständig diese Debatte ist. In einer Reklame des Autoherstellers sitzt ein schwules Paar mit Tochter in einem Sharan. Zu sehen war ein Pärchen, dass dieselben Diskussionen führte, wie Ehefrau und Ehemann.

2. Die Medien

Die Medien sollen öffentlich aufklären, bilden und Transparenz herstellen. Deswegen sind sie wahrscheinlich der Einflussfaktor, den die homosexuellen Fußballer am meisten fürchten. Die Profis stehen im öffentlichen Fokus. Wenn ein Berufssportler öffentlich zu seiner gleichgeschlechtlichen Liebe steht, würde das sofort große mediale Aufmerksamkeit erregen. Dadurch wäre vorerst wohl kaum an Privatsphäre zu denken. Das Interesse zieht unzählige Interviewanfragen nach sich, wobei jeder Reporter damit unterschiedlich umgeht.

Die Darstellungen würden polarisieren: Die meisten würden es als mutig und positiv bezeichnen. Doch leider gibt es im Medienwald immer noch Journalisten, die daraus negative Schlagzeilen machen und die Person demütigen.

Es ist daher unbedingt die Aufgabe der Presse, aufgeschlossen und empfindsam mit einer öffentlichen Bekanntmachung von Homosexualität umzugehen! Eine sehr negative Berichterstattung ist in Deutschland allerdings unwahrscheinlich geworden, vor allem nach Robert Enkes Tod. Seitdem bemühen sich (die meisten) Journalisten vermehrt um Sensibilität.

3. Die Fans

Die Fans agieren als dritter Einfluss, der die meisten Spieler bisher davon abhält, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen. Die Fußballprofis symbolisieren für die Fans moderne Helden, die für ihren Klub in den Krieg ziehen und furchtlos sind. In den Köpfen einiger Fans sind das Merkmale, die nicht mit Homosexualität zusammenpassen. Denn oft verbinden sie homosexuelle Begriffe mit Beleidigungen und Schwäche. So bekommen Gegner genauso wie eigene Spieler Beschimpfungen wie: „scheiß Schwuchtel“ oder „schwule Sau“ zu hören, gerade wenn Fehler gemacht wurden. Da ist es unabsehbar, wie Fans mit dem öffentlichen Outing ihrer Vorbilder oder gar eines gegnerischen Profis umgehen würden.

Daher wird auch den Fans eine zentrale Aufgabe zugesprochen, Signale zu setzen. So wie es mittlerweile manche Fanclubs tun, die mit Flaggen auf Homosexualität im Fußball hinweisen. Der erste deutsche Fanclub, der sich zur gleichgeschlechtlichen Liebe bekannte, war ein Fanclub vom Bundesligisten Hertha BSC Berlin. Die Hertha-Junxx wurden 2001 gegründet. 2006 brachten die Initiatoren ein Banner am Berliner Olympiastadion an mit der Aufschrift: „Fußball ist alles – auch schwul“. Die Flagge wurde sogar von den anderen Fans so gut angenommen, dass es daraufhin bei jedem Spiel vor heimischem Publikum dort hängt. Eines der Ziele von Fanclubs sollte es sein, bei einem Coming-Out befürwortend hinter den Spielern zu stehen.


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Signale von geouteten Profi-Fußballern

Der professionelle Fußballspieler Justin Fashanu bewies großen Mut, als er sich öffentlich outete. Der ehemalige britische U 21-Nationalspieler hatte Verbindungen in die lokale Schwulenszene. Als der Manager seines damaligen Arbeitgebers Nottingham Forest das herausfand, kündigte er Fashanu. Nach diesem abrupten Ende seiner Karriere bekannte er sich schließlich 1990 zur Homosexualität und wanderte nach Amerika aus. Dort geriet er schließlich mit negativen Schlagzeilen in den Fokus der Medien, nachdem ihm ein 17-jähriger vorwarf, ihn sexuell missbraucht zu haben. Das traurige Ende des Sportlers: Er erhängte sich in seiner Garage.

Nach Justin Fashanu kam es zu öffentlichen Coming-Outs unter anderem folgender Profis:

• Pelé
• Heinz Bonn
• Vampeta
• Marcus Urban
• Thomas Hitzelsberger
• Andy Brennan
• Tom Harald Hagen

Jeder weitere Profi, der diesen Weg geht, vereinfacht die Situation für Nachfolgende. Thomas Hitzelsberger beispielsweise erhielt am 1. Oktober das Bundesverdienstkreuz, um unter anderem sein Bekenntnis im Jahr 2014 auszuzeichnen. Hitzlsperger konnte durch sein Outing das Thema Homosexualität im Fußball weiter legitimieren.

Seit Fashanu ist also viel im Profi-Fußball passiert. Jedes Coming-Out ist ein wichtiges Zeichen und ebnet den Weg. Je öfter sowohl Sponsoren, Medien, Fans, Verbände damit konfrontiert werden, dass der deutsche Profifußball auch homosexuell ist, desto weniger wird es ein Tabu-Thema sein. Und das sollte das Ziel sein, denn die heterosexuelle Liebe eines Spielers ist es genauso wenig. 

 
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