Lifestyle
   6 Jahre
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Homosexuelle Wohnkultur

Was den homo- vom heterosexuellen Lifestyle unterscheidet

Wer an schwule Männer denkt und sich dabei von den üblichen Klischees leiten lässt, hat in der Regel einige geläufige Stereotypen vor Augen. Das trifft auch auf das Thema Lifestyle und Wohnen zu, denn hartnäckig hält sich die Annahme, dass Schwule schlichtweg einen feineren Sinn für die Wohnungseinrichtung haben. Aber muss es deshalb der Traum in Pink sein oder herrschen vor allem klassische Elemente und stilvolle Designermöbel vor? Auch das amerikanische Fernsehen beschäftigte sich vor einigen Jahren mit dieser Frage und rief die Show „Queer Eye for a Straight Guy“ ins Leben, bei der einige ausgewählte schwule Experten einen oftmals heterosexuellen Mann in allerlei Lebenslagen unterstützen und „optimieren“ sollten. Kernaussage der Show: Schwule wissen in Bereichen wie Styling, Einrichtung, Körperpflege, Kosmetik oder Mode und Ernährung einfach besser Bescheid als heterosexuelle Männer. Mittlerweile wurde die Sendung bereits wieder eingestellt und musste sich aufgrund ihrer starken Verallgemeinerung sexueller Identität einiges an Kritik gefallen lassen – doch die Frage bleibt: Wie unterscheiden sich homo- und heterosexuelle Lifestyles nun wirklich voneinander?

Interessant: Eine österreichische Studie fand heraus, dass Schwule insgesamt besser wohnen, denn sie geben mehr für ihre Wohnungseinrichtung aus, leben lieber nahe an öffentlichen Verkehrsmitteln und sind zufriedener mit ihrem Zuhause. Die Umfrage „Die Wohnverhältnisse schwuler & bisexueller Männer und deren Erwartungen an eine Immobilie“ des Marktforschungsinstituts Marktagent.com befragte zu diesem Zweck insgesamt 504 schwule und heterosexuelle Männer zu ihrem Wohn- und Einrichtungsverhalten. Lediglich 68 Prozent der Heteros seien demnach mit ihrer gegenwärtigen Wohnsituation zufrieden, bei den Homosexuellen sind es hingegen 74 Prozent – bei den über 40-Jährigen steigt dieser Wert sogar auf 88 Prozent. Die deutlichsten Unterschiede, die anhand der Studie ermittelt wurden, sind folgende:

Homosexuelle Wohnverhältnisse

Heterosexuelle Wohnverhältnisse

Die Mehrheit der Schwulen möchte eine Eigentumswohnung (57 Prozent).

Die Mehrheit der Heterosexuellen wünscht sich ein Haus (56).

Bezüglich der Größe wird eine durchschnittliche Wohnraumvergrößerung von 79 auf 100 Quadratmeter gewünscht.

Heteros hingegen leben auf rund 82qm und wünschen sich etwa 120qm.

Bevorzugt wohnen Schwule in Wohnungen mit wenigen Zimmern und offenem Schnitt. Der Grund dafür ist einfach zu ermitteln: Rund 95 Prozent der Befragten leben in Ein- oder Zweipersonenhaushalten.

82 Prozent der heterosexuellen Männer leben hingegen in Zwei- bis Vierpersonenhaushalten, in denen dementsprechend ein wenig mehr Privatsphäre unter den Familienmitgliedern gewünscht wird.

Durchschnittlich geben Schwule mehr Geld für ihre Einrichtung aus – dabei handelt es sich um etwa 1.845 Euro. Grund für die höheren Ausgaben ist beispielsweise die Tatsache, dass Homosexuelle deutlich öfter in Designerläden kaufen oder aber Maßanfertigungen erwerben.

Der heterosexuelle Mann investiert hingegen nur etwa 1.055 Euro – wenngleich er ebenfalls gern hochwertige Designerware nutzt, shoppt er dennoch etwas häufiger in klassischen Möbelhäusern.

Auch eine solche Studie ist selbstverständlich keineswegs ein Garant dafür, dass Schwule oder Heteros in jedem Fall nur auf diese Art und Weise wohnen, einen gewissen Trend zeigt sie aber immerhin auf. Insgesamt lässt sich sagen, dass beide Gruppen schlichtweg ein unterschiedliches Lebensgefühl nach außen tragen, was allerdings auch ebenso gut in Zusammenhang mit der jeweiligen sozioökonomischen Lebenssituation stehen kann. Auch die Studie „Der schwule Konsument“ belegt, dass Homosexuelle insgesamt konsumfreudiger sind und der überwiegende Teil der Schwulen sogar ein höheres Schulbildungsniveau hat und damit meistens auch ein geringfügig höheres Einkommen. Als Wirtschaftsfaktor ist der schwule Konsument daher durchaus ernst zu nehmen, insbesondere dann, wenn es um die Bereiche Mode, Pflege und Konsumbewusstsein geht. Dementsprechend interessant gestaltet sich die Zielgruppe auch für die Immobilienbranche, denn laut der Studie sollen schwule Männer sich deutlich aktiver an der Suche beteiligen als heterosexuelle Männer.

Einrichtungsstil homosexueller Männer – diese Elemente überwiegen

Geht es um die Art der Einrichtung, so dominieren keineswegs Pink, Plüsch und Goldornamente, wie es gern von den Medien dargestellt wird, sondern vor allem dunkle Farben, klare Formen und moderne Elemente. Auch der Landhausstil wird gern verwendet, hinzu kommt die beliebte Kombination aus klassischen Retro-Möbelstücken und Moderne. Das gutbürgerliche Wohnzimmer, welches vor vielen Jahren noch vielfach gesehen war, ist hingegen nur selten bis gar nicht anzutreffen – das gilt allerdings nicht nur für homosexuelle, sondern auch für heterosexuelle Männer. Ebenfalls greifen homosexuelle Männer gerne zu ausgefallenen Designs und ausgewählten Maßanfertigungen, um ihren Wohnungen eine besonders individuelle Note zu verleihen.

Schwule Marken – gibt es sowas?

Selbst beim Kaufverhalten bestimmter Marken scheint es gewisse Präferenzen zu geben, wie die 2006 veröffentlichte Gay-Brand-Studie zeigen will. Gerade in einigen Branchen gebe es demnach große Unterschiede zu heterosexuellen Männern, wobei die Auffälligkeiten in Bezug auf alkoholische Getränke am größten sind. Schwule trinken demnach bevorzugt prickelnde Getränke wie Veuve Cliquot und Schlumberger, während Heteros lieber zum klassischen Bier greifen.

Einigkeit herrscht hingegen bei den Automarken, denn hier liegen auf beiden Seiten Volkswagen, Audi und BMW vorn. Bei der Körperpflege und im Modebereich schätzen Schwule Marken wie Calvin Klein oder Nivea for Men – hierbei handelt es sich um jeweils 18,3 Prozent mehr als auf homosexueller Seite.

Anlaufpunkt für Interior Design – die „imm cologne“

Es verwundert in diesem Zusammenhang kaum, dass viele schwule Konsumenten sich gern über neueste Trends informieren und dafür oftmals sogar Fachmessen besuchen. Nicht weniger beliebt sind allerdings auch Museen und Ausstellungen, die sich als Schwerpunkt mit der Inneneinrichtung auseinandersetzen und außergewöhnliche Designs in einem neuen Licht betrachten. Hierbei lohnt sich beispielsweise ein Besuch im bekannten Architekturmuseum an der Technischen Universität Berlin, ein wenig modischer wird es hingegen im Kunstmuseum der Luxusmarke Louis Vuitton, welches sich in Form eines verzerrten Schiffes im Bois de Boulogne in Paris befindet. Auch zeitgenössische Ausstellungen werden immer wieder im nationalen und internationalen Rahmen angeboten, darunter vor kurzem auch die „Architektur Design Industrie“, die auf der gleichnamigen Publikation basiert. Zu finden ist die Kombination aus Design und Popkultur im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, wobei der Designexperte smow bereits einen genaueren Blick auf die Inszenierung geworfen und die wichtigsten Highlights und Fakten für Interessierte aufbereitet hat. Erster Anlaufpunkt in Sachen Einrichtung und Wohnen dürfte diesbezüglich aber die „imm cologne“ sein, die jedes Jahr für neue Impulse auf dem Markt sorgt, Wohnideen für Trendsetter bietet und ein großes Aufgebot an Brands und Marktführern vorzuweisen hat. Die wichtigsten diesjährigen Trends der Messe, aber auch ganz allgemein in der Einrichtungsbranche, sind folgende:

1. Materialien der Natur sind nach wie vor im Kommen. So sind unter anderem klassische Holztische beliebt, aber auch Bezüge aus Baumwolle oder Leder können überzeugen. Künftige Polstermöbel müssen zudem komfortabel und bequem sein, die ehemals harten Sitz- und Liegeflächen sind nicht mehr länger gefragt.

2. Auch das sogenannte Customizing wird immer wichtiger. Dabei handelt es sich um die individuelle Gestaltung der Möbel, sodass Nutzer sich ganz nach Belieben echte Unikate zusammenstellen können.

3. Vielfalt ist 2014 in. Daher darf es in der Wohnung sowohl knallig als auch dezent sein und auch Materialien können untereinander kombiniert werden. Vermieden werden sollte lediglich der langweilige Einheitsbrei, demnach ist im Prinzip also nahezu alles erlaubt.

Weitere Infos findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=PwoFWLLlGDo&list=PLVMF_Nj6LSdJIG7ec-qzcl--kATzB4aMC

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