Reise
   13 Jahre

Das Hoch im Norden

Grenzöffnung

Mit dem 136-Grad-Club hat sich vor drei Jahren eine Houseparty an der Reeperbahn etabliert, die jeden Samstag internationale Gast-DJs aufbietet. Zu späterer Stunde werden die Türen in die oberen Etagen des (heterosexuellen) "Moondoo" geöffnet, und dann wird’s interessant. "Wir öffnen die Türe nicht sofort, sondern lassen beide Seiten erstmal unter sich", sagt Clubbetreiber Axel Strehlitz. "Wenn sie dann was getrunken haben, kommen sogar die Heteromänner unter und gucken mal."

Lösen sich die alten Fronten also langsam auf? Drag Queen Olivia Jones hat in der Großen Freiheit zunächst eine eigene Bar und vor kurzem auch einen Strip-Club eröffnet. In dem haben allerdings nur Frauen Zutritt: "Weil die Mädels da unter sich feiern, ist die Stimmung sehr ausgelassen", sagt die Zwei-Meter-Queen, die ihm wahren Leben Oliver Knöbel heißt. "Ich habe Jungs in der Garderobe gehabt, die total zerkratzt waren. Das ist schon abgefahren, wie die Mädels im Rudel außer Rand und Band geraten."

Olivia Jones führt durch den Kiez

Etwas gesitteter, dafür aber recht lustig geht es bei Olivias Kiezführungen zu. Mit einem prolligen "Astra"-Bier bewaffnet schleust die Drag Queen am Wochenende Touris rund um die Reeperbahn, die sie aus dem Fernsehen oder der Bild-Zeitung kennen und keine Berührungsängste haben. "Ich bin hier ja die heimliche Bürgermeisterin", sagt Olivia. Und eine gute Geschäftsfrau sowieso – am Ende der Führungen heißt es dann an ihrem eigenen Tresen: "Prösterchen". Ein Muss für schwule Kiezgänger ist auch die Wunderbar, ebenfalls einst von Corny Littmann mit ins Leben gerufen. Tanzen, Mitsingen, Abschleppen – von hanseatischer Zurückhaltung ist hier, wie auch im St-Georg-Pendant "Daniels", selten etwas zu spüren.

Die sucht man auch beim Ledertreffen vergeblich, dem zweiten großen Hamburger Homo-Event im August. Im Hafen liegt mit der MS Stubnitz ein Partyschiff, dass die Freunde unterschiedlichster Spielarten befriedigt, und auch sonst zieht das Fetischtreffen eine illustre internationale Gästeschar an, obwohl mit Folsom Europe in Berlin handfeste Konkurrenz erwachsen ist. Die Macher von Spike Hamburg besannen sich daher auf die Tradition, wollen das klassische Thema Leder wieder mehr in den Focus rücken – und warten ab, wohin die Reise künftig geht. Immerhin stellt die Stadt den amtierenden German Mr. Leather – und der ist gerade mal 26. "Hamburg hat starke und strahlkräftige Events, die eine tolle Botschaft in die Welt senden", findet schließlich auch Stadtvermarkter Sascha Albertsen. Da werden ihm Herren in Schwarz kaum widersprechen.

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