Gesellschaft
   10 Jahre
Foto: Fabio Pozzebom / ABr / Wikipedia

Medialer Kreuzzug

Bürgerrechte instrumentalisiert

Natürlich wirft sich auch Grünen-Politiker Volker Beck dem Papst verbal entgegen und fordert ihn vorsorglich schon einmal auf, sich nur ja nicht in die deutsche Innenpolitik einzumischen. Dafür ist schließlich jemand wie Beck zuständig, auf dessen Initiative nun am Tag vor der Rede Benedikts XVI. im Bundestag über Innenpolitik debattiert wird: die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. Beck instrumentalisiert das wichtigste Thema der homosexuellen Bürgerrechtsbewegung um des Effektes willen; der Sache dient das nicht. Wenn der Papst kommt, will jeder etwas davon haben.

Von einem Nein Becks zur Einladung des Kirchenoberhauptes durch den Bundestagspräsidenten ist übrigens nichts bekannt. Dergleichen wird normalerweise im Ältestenrat besprochen, dem Beck als Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion angehört. Dort stimmten alle vertretenen Fraktionen der Einladung zu. Rund 100 Parlamentarier wollen hiervon allerdings nichts wissen. Sie bleiben der Rede fern - ein ganz besonderer Ausweis von Souveränität. Was man nicht sieht, hat schließlich auch nicht stattgefunden.

Der Papst wird von all dem wenig bis nichts mitbekommen. Die aufrechten Aktivisten dürften sich am Ende dennoch auf die Schultern klopfen und sagen, wie toll sie mal wieder waren. Dabei fordern sie Reformen von einer Institution, die sie nicht ernst nehmen und wohl am liebsten abgeschafft wüssten. Vielleicht schaffen sie es damit für ein paar Sekunden in die Tagesschau.

Klerus und LSVD eint derweil ihr schleichender Bedeutungsverlust. So wie der Einfluss der Katholischen Kirche durch Austritte, Missbrauchsdebatten oder schlichtes Nicht-Glauben schwindet, verliert auch die homosexuelle Gleichstellungspolitik mit der zunehmenden gesellschaftlichen Normalisierung dramatisch an Relevanz. Das macht es für beide Seiten so attraktiv, sich aneinander abzuarbeiten. Dass man hierdurch den jeweiligen Gegner nur wichtig macht, scheint keinen der Beteiligten ernsthaft zu interessieren.

Statt verbal abzurüsten, wird munter aufeinander eingedroschen: Menschenverachtung halten die Gegner der Kirche vor. Deren Vertreter revanchieren sich mit der Bemerkung, der Protest untermauere das Bild vom hässlichen Deutschen.

86 Prozent der Deutschen finden das alles "eher unwichtig" oder "überhaupt nicht wichtig". Gott sei Dank.

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