Reise
   12 Jahre
Foto: Axel Schock

Am Jetset-Ballermann

Geld riecht nicht, aber es schwimmt. Gut verankert im Yachthafen. Teuer, aber nicht immer geschmackvoll verbaut an den Hängen. Viel Platz ist nicht mehr, die letzten Grundstücke, so hört man, haben sich irgendwelche Russen geschnappt. Keine Edelboutique, keine Limousinen-Vermietung und erst recht kein Immobilienmakler in Cannes, von denen der Dienste für Öl-Oligarchen aus Moskau und Minsk nicht auch in Russisch angeboten würde.

The place to be

Was alle Welt ausgerechnet nach Cannes zieht, mag sich dem Durchschnittsverdiener-Touristen nicht unbedingt erschließen. Die Altstadt ist nett, der Strand ausgedehnt, das Wasser blau. Doch derlei haben andere Küstenorte auch zu bieten. Letztlich lebt Cannes von seinem Image, "the place to be" für alle Reichen und Schönen zu sein – und jene, die sich dafür halten.

Wie klug die Stadtväter doch waren, als sie 1946 das Filmfest ins Leben riefen. Ohne den roten Teppich vor der Tür ist das Palais des Festival zwar auch nur eine weitere 80er-Jahre-Bausünde, aber der Festivalglamour hält übers ganze Jahr bis zum nächsten Auftrieb der Stars und Sternchen. Gleich nebenan parkt, wer nicht weiß, wohin mit dem Vermögen. Die Bootsanlegestelle gleicht einer Kieler Woche für die Weltrangliste der Milliardäre. Hier fährt der Butler auch mal mit dem Maybach zum Champagnerholen. Wer wirklich auf sich hält und sich nicht nur neureich im Glanz der tatsächlich Berühmten sonnen will, wohnt schon lange nicht mehr in Cannes, sondern in abgelegenen Hotels zwei, drei Buchten weiter.

Keinen Fisch mehr an Bord

Hugo, ein bärbeißiger Schiffer mit Rauschebart, hatte schon lange keinen Fisch mehr an Bord. Stattdessen schippert er Tag für Tag Touristen die Küste entlang und zeigt ihnen die Promi-Villen und Luxuspaläste von Elton John und Bill Gates, von Tina Turner und Sean Connery. Keine 15 Autominuten weg vom Luxusballermann wird’s tatsächlich idyllisch.

Das hatte vor einigen Jahrzehnten auch der 1998 verstorbene Jean Marais erkannt und sich in dem Keramikerstädtchen Vallauris niedergelassen. Wie schon sein langjähriger Lebensgefährte Jean Cocteau war auch der französische Kinostar vielseitig talentiert und konzentrierte sich zuletzt ganz aufs Malen und Töpfern. Dutzende von Keramikwerkstätten voll mit hochwertiger Kunst, Kitsch und Touristennepp bestimmen das pittoreske Stadtbild von Vallauris.

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