Reise
   7 Jahre
Foto: Kirsten Lilli, Werk von Yan Xing (mit den Schauspielern Baraghini, Zacchini, Pirotto, Fagan, Noaro, Tizianel)

Venedig im Jahr der Biennale

Der nachfolgende Streifzug beleuchtet einiges des vielen Bemerkenswerten -  gegliedert nach Ausstellungsorten. Das Q markiert Queere Relevanz. - Besondere queere Kunstwerke finden sich außerdem ausführlicher beleuchtet in der Rubrik: "Kultur".
 
Venedig – ein Blick auf ein politisches Gesamtkunstwerk?
 
Das Gesamtkunstwerk Venedig zu erleben ist bereits eine per se lohnenswerte Erfahrung. Es ist ein echtes Multiplayer-Großkunstwerk gemeinsamen Stils in unglaublicher Vielfalt. Die inneren Filme von all der künstlerischen Expressionen derer, die sich von Venedig inspirieren ließen, laufen mit über die mehr als 400 Brücken – von Thomas Manns „Tod in Venedig“ und Nicolas Roegs „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, bis hin zu den dort gerade neu gesehen Eindrücken zeitgenössischer Kunst.
 
Venedigs verbliebene Einwohner durch einen intensiveren Austausch (hoffentlich) zu bereichern, ist geradezu schon ein politischer Akt. Denn außer im Hochwasser, dem sogenannten ´Aqua Alta´, droht Venedig im Fluß der ca. 30Millionen Touristen jährlich unterzugehen, die es als Tagestouristen, insbesondere die von den  Kreuzfahrtschiffen, mehr belasten als dass sie die konstant sinkende Einwohnerzahl unterstützen würden. 
 
Q: An der niedrigen Einwohnerzahl von nicht viel mehr als 50.000 mag es auch liegen, dass Venedig keine explizit queeren Szenen (mehr) hat. Die finden sich z.B. im  direkt benachbarten Padua. Doch Venedig ist immer noch eine ´gayfriendly´ Stadt, mit einer ganzen Reihe von Hotels, die auch so werben. Und immerhin hat der Stadtrat von Venedig diesen Januar die Städtepartnerschaft mit St. Petersburg offiziell auf Eis gelegt hat, solange das Gesetz zum Verbot der sogenannten "Propaganda von Homosexualität" nicht annulliert wird. 
Welche deutsche Stadt hat das getan? 
 
Kunstbiennale in Venedig - ein orientierender Überblick
 
Die 55. internationale Kunstbiennale Venedigs wurde am 1.Juni offiziell eröffnet und geht bis zum 24. November:
 
Die Kunstbiennale wurde ursprünglich gegründet, um das nach der Cholera und dem wirtschaftlichen Niedergang bereits im 19.Jhd. durch sinkende Einwohnerzahl bedrohte Venedig zu unterstützen. Seitdem beherbergt Venedig also alle zwei Jahre nicht nur seine unzähligen Kunstschätze in und außerhalb seiner Museen, sondern präsentiert als internationales Zentrum zeitgenössischer Kunst ein großes Spektrum von Arbeiten aus aller Welt. Und dabei zieht die Kunstbiennale tatsächlich auch  Besucher an, die länger bleiben, nicht zuletzt die Künstler und Organisatoren selbst, die teils auch mit den Einwohnern zusammenarbeiten. 
 
Zum Einen besteht die Kunstbiennale aus einer seitens der Biennale kuratierten Ausstellung, zum Anderen präsentiert sich seit Anfang des 20.Jahrhunderts nach dem Konzept der Weltausstellung dort auch eine immer weiter wachsende Zahl von Ländern mit zeitgenössischer Kunst. Beides zusammen bildet die offizielle Ausstellung, die 25€ Eintritt kostet und für zwei Tage gültig ist mit je einem Eintritt ins Arsenale und in die Giardini. Montags ist die Biennale geschlossen.
 
Darüber hinaus gibt es die immer zahlreicher, interessanter und beliebter werdenden sogenannten 'collateral events' - das reicht von all den 'Länderpavillons', die an den Hauptorten nicht mehr unter kommen konnten, bis zu allen möglichen anderen Ausstellungen und Events, d.h. von Offiziellem, auch in der Dokumentation der Kunstbiennale Enthaltenem, bis hin zu Inoffiziellem. Bei den Collateral Events ist der Eintritt in der Regel frei.
 
Es gibt mehrere Übersichtspläne mit ihren jeweils unterschiedlichen Informationen über das inzwischen kaum mehr zu überblickende Großereignis. Zu empfehlen ist daher das kleine kostenfreie Pocketbuch „My Biennale Guide“ - das es an den Verkaufsstellen der Eintrittskarten geben sollte - oder ansonsten als Webseite komplett einsehbar ist oder als app für iphone und android zu haben ist: http://www.light-box.it/2013/05/my-biennale-guide-art-2013/
 
Q: In der diesjährigen Flut von Arbeiten sind die queeren Elemente schwer zu finden und leider eher rar, und wenn dann auch eher in den „collateral events“. Damit spiegelt sich, dass queere Positionen und KünstlerInnen eher im Underground zu finden sind – immer noch oder erneut? 
Auf Venedigs Kunstbiennale war das auch schon mal anders. Denn 2009 gewannen das schwule, in Berlin lebende, Künstler-/Kuratorenpaar Elmgreen&Dragset mit ihrer LGBTQ-Auswahl von Arbeiten und Künstlern zum Thema „Making Worlds“ den Goldenen Löwen.
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