Klima der Pseudotoleranz

"Dass eine große Anzahl Homosexueller sich im Zusammenhang mit ihrer geschlechtlichen Eigenart veranlasst sieht, ihrem Leben ein freiwilliges Ende zu bereiten, steht außer Zweifel", urteilte der Sexualforscher Magnus Hirschfeld schon 1914. Knapp 100 Jahre später rückte 2010 die quälende Situation junger, amerikanischer Schwuler und Lesben in den Fokus eines breiteren öffentlichen Interesses: Dort begingen innerhalb kürzester Zeit mehrere schwule Jugendliche Selbstmord. Was dann anrollte, war die populäre "It gets better"-Kampagne. Prominente wie Hillary Clinton oder Barack Obama gaben ihr ein Gesicht und sprachen den Jugendlichen in Internetvideos Mut zu. Aufsehen erregende Suizide von Jugendlichen in Deutschland gibt es zwar keine, mit ähnlichen Problemen wie in den USA haben Jungs und Mädels aber auch hierzulande zu kämpfen.

Erhöhtes Suizidrisiko

Umfangreiche Studien (leider nicht aus den jüngsten Jahren) sprechen eine eindeutige Sprache: Das Suizidrisiko junger Schwuler und Lesben zwischen 12 und 25 Jahren gilt in Deutschland als vier- bis siebenmal höher, als das von heterosexuellen Jugendlichen. Laut der Studie „Sie liebt sie. Er liebt ihn.“ (1999) des Berliner Senats haben sechs von zehn Befragten schon einmal daran gedacht, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Knapp jeder Fünfte gab an, bereits einen oder mehrere Suizidversuche hinter sich zu haben.

Aber auch ohne eventuelle Selbstmordgedanken leiden nicht wenige Jugendliche unter einer erdrückenden psychischen Belastung: Die niederländische "NEMESIS"-Studie (Netherlands Mental Health Survey and Incidence Study) aus 2001 geht von einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen bei jungen Schwulen und Lesben aus. Depressionen, Angst-Erkrankungen sowie Drogen- und Alkoholmissbrauch fanden sich neben suizidalem Verhalten statistisch signifikant häufiger bei homosexuellen als bei heterosexuellen Probanden.

Bookmark and Share
Das könnte dich auch interessieren


 

Mein inqueery