Boulevard
   6 Jahre
Foto: lflwlou/ Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Abercrombie: Der radikale Abgang des Chefs

Der langjährige Chef von Abercrombie & Fitch, Michael Jeffries (70), ist seit dem 7. Dezember spurlos verschwunden. Sein Abgang war radikal: In einem Meeting hatte er noch die Details für die Feriensaison festgelegt. Es gab keinen Abschied, kein Zeichen für eine Veränderung. Doch nur zwei Tage später wurde das Ausscheiden des Chefs bekannt gegeben. Die genaue Geschichte seines Abgangs enthüllt nun das Magazin Businessweek in einem ausführlichen Hintergrundbericht. Unter dem Titel „The Aging of Abercrombie & Fitch“ werden außerdem die Probleme in den letzten Jahren dargestellt.

Der Artikel zeichnet Jeffries als Perfektionisten, der jedes Detail in der Firma kontrollierte. Das betraf die Mode selbst, das Aussehen der Geschäfte und natürlich die Verkäufer, die gut aussehend und muskulös zu sein hatten. Sein Lebenspartner Matthew Smith tauchte oft unangemeldet in den Shops auf, um den Laden und das Personal zu bewerten. Alles musste dem Ziel dienen, die Marke als cool und besonders darzustellen, sie abzuheben von den Konkurrenten. Auch privat umgaben sich Jeffries und sein Freund nur mit den schönsten Jungs. Dem Personal in seinem Privatjet schrieb er die Kleidung bis hin zu den Boxer-Shorts unter den Jeans vor. Michael Jeffries wollte selbst an seiner Jugend ewig festhalten, sein Gesicht war auch mit 70 noch faltenfrei, die Zahl seiner Schönheitsoperationen ist ungezählt.

Im Laufe der Jahre sah sich Abercrombie & Fitch zahlreicher Beschwerden ausgesetzt. Ethnische Minderheiten klagten, weil alle Verkäufer weiß sein mussten. Verschiedene Organisationen wendeten sich dagegen, dass die Klamotten nur für schlanke und trainierte Kunden gemacht wurden und es keine Größen für Dickere gab. Jeffries lenkte nur ein, wenn es gar nicht mehr anders ging, eigentlich wollte er keine Änderungen und keine Kritik. Manager mit anderen Ideen mussten das Unternehmen verlassen. Doch in der Öffentlichkeit stieß die Ablehnung von Diversity auf Kritik, die Modemarke bekam immer mehr das Image des politisch Inkorrekten, die Umsätze sanken, weitere Veränderungen wurden nötig. Genau diese wollte Michael Jeffries nicht, es sollte alles so bleiben wie immer. Businessweek interpretiert seinen Abgang deshalb rückwirkend als einzig möglichen Schritt, sich selbst treu zu bleiben.

Eine Zusammenfassung des Artikels in deutscher Sprache gibt es hier.

 
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