Kultur
   12 Jahre
Foto: © by Universal Music

CD: Hamel - Nobody's Tune

Begeistert von den Jazzplatten seines Vaters feilte der Holländern Wouter Hamel an seiner Musikkarriere. Das Angebot einer Plattenfirma, die ihm zu eine Art modernen Frank Sinatra machen wollte, lehnte er allerdings ab – lieber wollte er sein eigenes Ding durchziehen.

Irgendwie hat man es ja schon immer geahnt: aus der Provinz kommt die Power. Bestes Beispiel ist Hollands neuester Pop-Export Wouter (sprich "Wauter") Hamel. Mit zwölf Jahren zog er mit seiner Familie aus Den Haag ins niederländische Niemandsland – und entdeckte die Musik als Flucht aus der Einöde. Im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden bevorzugte er allerdings die Jazz-Plattensammlung seines Vaters: "Ich habe versucht, mich abzusetzen und mein eigenes Leben zu führen. Ich lebte in diesem Dorf am Ende der Welt und versuchte ständig, mir irgendwelche Bezugspunkte in New York zu erträumen", erinnert er sich. Aus den Träumen entwickelte sich immerhin ein eigenwilliger blonder Wuschelkopf und die Entscheidung, an der Utrechter Musikhochschule zu studieren. Dort erkannte man Hamels Potenzial: "Ich lernte dort alles, von Jazz-Klassikern bis Bossa-Nova." Auf Experimente mit Acapella-Gruppen und Rockbands folgte mit frischen 27 Jahren ein Preis beim holländischen "Jazz Vocalisten Concours". Das Angebot einer Plattenfirma, die ihm zu eine Art modernen Frank Sinatra machen wollte, lehnt er allerdings ab – lieber will er das eigene Ding durchziehen. Das war klug, denn sein Debütalbum erreichte so in Holland Goldstatus. Schwul ist er auch noch, seit längerem schon mit dem Journalisten und Moderator Winfried Baijens liiert. Das weiß man, und es wird in den Medien nicht größer thematisiert. "Ich verstecke mich nicht und würde, wenn man mich fragt, auch nie behaupten, ich sei hetero", gab er in einem Interview an. Soviel zu Geschichte – jetzt zur Musik!

Der 32-jährige schreibt wunderbare jazzige Popsongs. Punkt. Klingt simpel, ist aber ausgefeilt komponiert und hört sich immer ganz bezaubernd an. Mal mit swingender Bigband-Begleitung ("Details"), mal easy-funky wie Stevie Wonder ("Breezy"), mal sixties-soulig wie Amy Winehouse ("As long as we’re in love"). Live stockt er das Ganze mit einer großen Band samt Blech-Bläsersatz und Kontrabass auf und gibt den jugendlich-charmanten Crooner. "Nobodys Tune" ist ein großartiges Sommeralbum eines außergewöhnlichen Musiktalents, das mit Prol-Swingern à la Roger Cicero zum Glück nichts gemein hat. Fans von Mika oder Rufus Wainwright werden Hamel lieben.

"Nobodys Tune" von Hamel erscheint am 7. Mai bei Universal Jazz

myspace.com/hamelmusic

 
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