Gesellschaft
   11 Jahre
Foto: A.Savin / Wikipedia Commons

Einer weniger

Seit Wochen lag es in der Luft, jetzt ist es amtlich: Russlands Präsident Dmitri Medwedjew hat Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow per Dekret aus dem Amt entlassen. Der 74-Jährige gilt als rückständiger Hardliner, wenn es um die Rechte von Homosexuellen im Riesenreich geht.

Eine Frage der Zeit

Bereits seit einiger Zeit hatte das vom Kreml kontrollierte Staatsfernsehen gegen das Stadtoberhaupt gepoltert. Korruption wurde ihm vorgeworfen, Vetternwirtschaft vermutet. Doch auch Luschkow fuhr seine Geschütze aus: So stellte er etwa die Forderung in den Raum, bei den in zwei Jahren anstehenden Wahlen müsse ein Präsident gewählt werden, der sich besser durchsetzen könne. Im Auge hatte er da wohl Ex-Präsident Putin, dessen erneute Kandidatur Luschkow ausdrücklich unterstützte.

Medwedjew setzte dem Scharmützel jetzt ein Ende: Luschkow, seit 1992 im Amt, musste seinen Stuhl räumen. Der Präsident begründete die Entscheidung damit, dass er das Vertrauen in den Bürgermeister verloren habe. Die Amtsgeschäfte übernimmt interimsweise Luschkows Vertrauter Wladimir Ressin. Einen neuen Bürgermeister möchte Medwedjew in naher Zukunft selbst bestimmen.

Luschkow und die "Schwuchteln"

Durch schwulen- und lesbenfeindliche Äußerungen hatte sich Luschkow immer wieder in die Medien und politischen Debatten hinter den Grenzen von Mütterchen Russland gemischt. So empfand er Homosexualität nach eigener Aussage als "unnatürlich", nannte Schwule unlängst in einer TV-Sendung "Schwuchteln" oder bezeichnete den Christopher Street Day als "Satansshow". Seit 2006 verbot er die Moskauer Pride-Veranstaltung jedes Jahr aufs Neue.

Am  21. September, Luschkows Geburtstag, gingen Moskaus Lesben und Schwule daher zu einer "illegalen" Demo auf die Straßen der russischen Hauptstadt und forderten die Absetzung des ungeliebten Stadtpatriarchen. Gayrussia.ru, ein russisches Aktivistenportal rund um CSD-Organisator Nikolai Alekseev, feiert den unrühmlichen Abschied des Bürgermeisters: "Nach dem Abgang des Bienenzüchters (ein Hobby Luschkows, Anm. d. Red.) ist die Luft in Moskau viel reiner und frischer", heißt es auf der Homepage. "Er ist gefallen - wie die Tyrannen und Zaren."

 

Dieses Bild basiert auf dem Bild Yuri Luzhkov 2010 Moscow Unesco 02 aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist A.Savin.

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