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Foto: F. Scheidt

LGBT-Kneipen-Szene in der Hansestadt, Teil I: WunderBar, Hamburg

Da offenbar endlich auch Gastronomen wieder ihre Pforten öffnen dürfen, haben wir ein Interview mit René Lugerth, Bar-Chef & Betriebsleiter der WunderBar, Hamburg geführt.
 
Was macht die Hamburger Szene aus?
Vielfalt in zwei Statteilen, die Szene verteilt sich auf die Stadtteile St. Georg und den Kiez, besser bekannt als Reeperbahn. In Hamburg geht es eben hanseatischer zu und nicht ganz so weltoffen, wie im Hotspot Köln. Wir Wirte kennen uns und versuchen eine gute Zusammenarbeit zu ermöglichen. Wir unterstützen uns und scheuen uns nicht, Empfehlungen auszusprechen, wie: "Schaut doch mal bei TOMS Saloon vorbei...".

 
Was macht die WunderBar so besonders?
Die WunderBar existiert seit 1991 und ist ein Highlight in der Szene. Bei uns ist jeder willkommen, wobei die meisten Gäste, etwa 80–90%, gezielt zu uns kommen. Neue Gesichter machen wir an der Tür freundlich darauf aufmerksam, dass wir eine schwule Bar sind. Wenn sich dann die Gäste vernüftig verhalten und sich andere Gäste nicht gestört fühlen, ist alles in Ordnung. Allerdings sollte niemand die beste Freundin eines Gastes "angraben" - wir haben eine Antenne für ungewollte "Anmache", die Ärger provoziert. Ansonsten sind wir sehr familiär und unsere Gäste kommen genau aus diesem Grunde gerne wieder. Wir geben auch schon mal die ein oder andere Runde aus! Bei der Suchmaschine Google findet man uns ganz oben, deshalb zählen viele Touristen zu unseren Gästen.
 
Wann ist die Bude am vollsten?
Das ist naturgemäß immer Fr.-Sa., immer ab 22Uhr. Außerhalb bzw. vor Corona ist der Mittwoch auch stark besucht. Am Sonntag kommen viele Touristen zu uns, um sich von der Stadt und vom Wochenende gebührend zu verabschieden.


 
Gibt es Sonderveranstaltungen oder Specials?
Wir haben die MittwochsFeierei bzw. Wildes Wohnnzimmer. Über das Jahr verteilt feiern wir mit verschiedenen Motto-, Drag- und Schlager-Partys, wie SchlagerMoves und ähnliche. Einmal pro Jahr gibt es eine Benifits Party, organisiert von der Familie Kugwarts. Zu diesem Termin spenden alle Angestellten ihr Einkommen + Trinkgeld und zusammen mit einem Teil der Tageseinnahmen wird zum CSD der PINK INK ein fetter Scheck übergeben. Die PINK INK ist Nordeutschlands größte Gay Party. Das Problem ist allerdings immer, dass die Touristen oder einige Gäste nicht wissen, dass eine Motto Party stattfindet und unkostümiert kommen. Zum Pink Pauli Festival richten wir jedes Jahr die Men-Only-Party BABYLON aus. 
 
Welche Leute trifft man so an?
Zu uns kommen unterschiedliche Typen, je nach Wochenende auch jüngere Gäste. Alle haben ein gemeinsames Ziel: einen gemütlichen Abend unter Freunden mit Freunden zu verbringen.


 
Hat sich das Ausgehverhalten über die Jahre verändert?
Mittlerweile zieht es wieder deutlich an. Vor drei oder vier Jahren war ein Einbruch bei den Besucherzahlen zu spüren. In den letzten zwei Jahren geht es jedoch wieder aufwärts und die Leute feiern wieder gerne auswärts.
 
Wie war die Stimmung nach dem 1. Lock-Down?
Die Leute wollen tanzen. Wir hatten seit Mai 2020 wieder auf - anfangs waren die Leute etwas verhalten aber sie wurden schnell wieder locker.
 
Merkst Du, dass die Leute wieder gerne ausgehen?
Einige wollen halt nicht mit Maske in eine Bar gehen. Wir achten im Interesse aller auf die Einhaltung und Umsetzung der Anordnungen. Wir haben personell aufgestockt und einen Türsteher eingestellt. Die Leute wollen ausgehen, wenn nötig auch mit Auflagen. Stichwort Szene-Sterben, ja klar, da ändert sich einiges. Viele Lernen ihre Dates lieber online kennen. Das machte sich bemerkbar. Wir bekommen das sogar live mit, vor allem bei der jungen Generation. Jemand schreibt einen Gast via Grindr an, der unmittelbar neben ihm sitzt, anstatt ihn direkt anzusprechen.
 
 
Was würdest Du Dir von der Politik wünschen?
Ein schwieriges Thema. Wenn die Politik sich mehr dafür einsetzen würde, dass Schwulsein normal ist, dann wäre deine Frage auch überflüssig - aber so ist es leider noch nicht. Also warum sollten wir, nur weil wir auf Männer stehen, einen Schutzraum haben müssen? Es ist doch eigentlich völlig normal, so zu sein wie immer man eben ist. Und die Kirche sollte aufhören den Leuten vorzuschreiben was eine Ehe sein darf! Ja, wir Leben im 21. Jahrhundert und wir sollten genau so respektiert werden, wie wir andere Lebensentwürfe respektieren. Jeder Mensch ist gleich, oder?

 
Wie flirtet ein Zugezogner am besten mit Hamburgern?
Die Hamburger sind leicht "unterkühlt" und erwarten meistens, dass man sie anspricht :) Es dauert schon seine Zeit... erstmal beobachten, mal schauen wie er so ist. Am besten klappt es mit Komplimenten, aber was rede ich, da hat jeder seine eigenen "Geheimwaffen".

Aktuell
Die WunderBar hat auch den zweiten Lock-Down überlebt und die Tore wieder weit geöffnet und freut sich auf Deinen Besuch: wunderbar-hamburg.de

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