Brüsseler Spitzen

Wo gibt es das sonst: Eine steile Showtreppe endet direkt auf dem Tresen, der zur Bühne wird, sobald dralle Drags die Stufen hinabstöckeln! Lippensynchronkünstlerinnen, die den Ruf nach Zugabe gar nicht erst abwarten und - berauscht von sich selbst - dieselbe Nummer noch einmal performen. Bejubelt werden sie von einer schwulen Meute, die derart dicht gedrängt steht, dass eine Ölsardinenbüchse dagegen geräumig erscheint. Willkommen in Brüssel, wo im Chez Maman nach Mitternacht die Kuh fliegt. 172 Nationalitäten leben in Europas Metropole, entsprechend bunt geht es hier zu. Da muss als Tunte schon etwas aufbieten, wer aus dem Rahmen fallen will.

Stadt der Gegensätze

Belgiens Kapitale ist eine Stadt der Gegensätze: Die EU-Bürokratie hat sich mitten ins Stadtbild hineingefressen, mit unsäglichen Bausünden, die sich selten darum scheren, wenn sie mit ihrer Wuchtigkeit die gewachsene Häuserstruktur der Nachbarschaft erschlagen. Wer das Europa-Viertel meidet, das nachts so tot ist wie der Wiener Zentralfriedhof, kann dennoch auf eine spannende Entdeckungsreise gehen. Brüssel ist so etwas wie die Kleinstadt-Ausgabe von Paris. Das hat durchaus Vorteile: Die charmante Altstadt ist problemlos zu Fuß zu bewältigen, die zahlreichen Parks locken als Oasen der Ruhe. Die Küche hat einen deutlich frankophilen Einschlag, Bistros und Brasserien sind entsprechend gut gefüllt und lohnen das Ausprobieren.

Mit seiner Partyszene bewegt sich Brüssel auf Augenhöhe mit vergleichbaren Städten. Ideale Voraussetzungen also, um sich hier ein paar lustige Wochenendnächte um die Ohren zu schlagen. La Démence ist seit fast zwei Jahrzehnten Brüssler (Party-)Spitze und zieht viel internationales Publikum an. Kein Wunder: Paris, Köln, Amsterdam - die Wege sind nicht weit, die Anbindungen gut. Je nach Kalenderlage wird die Party zwei, dreimal im Jahr auf ein ganzes Wochenende ausgedehnt. Das Warm-up im K-nal macht seinem Namen da schon alle Ehre: nackte Oberkörper in einer Industrie-Location, so weit das Auge blickt. La Démence ist wahrlich kein Mädchenpensionat. Das gilt auch für das Fuse, wo die Hauptparty steigt: ein Club auf mehreren Ebenen, in dem sich Schwuppen und Lederkerle fröhlich mischen, während stampfende Housebässe in die Magengrube fahren. So geht Party!

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