Boulevard
   6 Jahre
Foto: Lo Stampatello

Ein kleines Ei schlägt große Wellen

Ein Kinderbuch namens „Kleines Ei“ (Piccolo uovo) hat in Italien große Wellen geschlagen. Das Ei lernt nämlich bei seinen Abenteuern ganz verschiedene Lebensformen kennen. Es trifft nicht nur ein heterosexuelles Hundepärchen mit Kindern oder ein allein erziehendes Nilpferd, sondern auch Regenbogenfamilien, bei denen die Eltern schwule Pinguine oder lesbische Kaninchen sind. Und zwei heterosexuelle Kängurus haben Eisbärenkinder adoptiert.

Eine derartig positive Darstellung von Vielfalt ist konservativen Kräften ein Dorn im Auge. Für Schlagzeilen sorgte der neu gewählte Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, als er im Juni dieses Buch und etwa 50 weitere Titel aus den Schulen der Lagunenstadt verbannen ließ. Danach verlangten 250 italienische Schriftsteller in einem offenen Brief, ihre eigenen Bücher ebenfalls aus den Regalen der Stadt zu nehmen. Sie protestierten damit gegen die „erschreckende Geste der Zensur und Ignoranz“.

Die Autorin des Kinderbuchs, Francesca Pardi, wandte sich daraufhin an den Papst und berichtete von den Vorwürfen, denen sie ausgesetzt sei. Wie die englische Zeitung The Guardian berichtet, stärkte ihr nun ausgerechnet der Vatikan den Rücken. Im Auftrag des Papstes schrieb ihr Peter B. Wells: „Seine Heiligkeit ist dankbar für die aufmerksame Geste und für die Gefühle, die sie hervorgerufen hat, in der Hoffnung auf eine immer fruchtbarere Tätigkeit im Dienste der jungen Generationen und der Verbreitung von echten menschlichen und christlichen Werten.“ Der Guardian interpretiert dies als Unterstützung des Papstes für das Kinderbuch. Allerdings teilte das Staatssekretariat auf Anfrage der Zeitung mit, dass der Brief an Pardi privat gerichtet gewesen sei und keineswegs die Gegner der christlichen Lehre zu den Geschlechtern stärke.

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