Gesellschaft
   8 Jahre
Foto: Deutsche Aids-Hilfe

77% der HIV-Infizierten werden gemobbt

77% aller HIV-Infizierten haben im letzten Jahr eine Form von Diskriminierung erlebt – sei es negatives Gerede, direkte Beleidigungen oder sogar körperliche Angriffe. Dies ist ein wesentliches Ergebnis einer neuen Studie, die die Deutsche Aids-Hilfe heute vorgestellt hat. Weiteres erschütterndes Resultat: Rund 20% der Befragten wurde eine ärztliche Behandlung verweigert, weil sie im Fragebogen ihre HIV-Infektion angegeben hatten.

Die Studie „Positive Stimmen“ ist Teil des UN-Projektes „The People living with HIV Stigma Index“. Dabei geht es nicht nur darum, aussagekräftige Daten zu ermitteln, sondern ein wesentliches Anliegen ist es auch, HIV-Positive in die Studie einzubeziehen, indem die Positiven von Positiven befragt werden. Die Befragung gibt den Betroffenen damit die Chance, sich mit ihrer Situation auseinanderzusetzen und Wege zum Umgang mit ihrer Infektion zu entwickeln.

Diese Art der Befragung genügt zwar nicht den normalen wissenschaftlichen Ansprüchen, aber die Ergebnisse sind trotzdem bemerkenswert. So verlieren HIV-Infizierte häufiger ihren Job, weil ihnen gekündigt wird, als durch gesundheitliche Einschränkungen. Insgesamt sind die Erfahrungen im Berufsleben aber nicht schlecht: 29% der Befragten haben sich gegenüber ihrem Arbeitsgeber als HIV-positiv geoutet, und daraufhin haben immerhin 74% der Arbeitgeber neutral oder sogar positiv reagiert.

Die Deutsche Aids-Hilfe möchte eine Gesellschaft ohne Diskriminierung erreichen. Vorstandsmitglied Carsten Schatz: „Die Diskriminierung im Alltag ist nicht überraschend, aber völlig inakzeptabel.“ Er forderte den Bundestag auf, HIV-Positive und andere chronisch Kranke in das Antidiskriminierungsgesetz einzubeziehen. Auch Arbeitgeber und Berufsverbände seien gefordert. Schließlich müsse sich jeder einzelne fragen, „wo sein eigenes Denken und Handeln von Vorurteilen und Ängsten geprägt ist.“

Hier gibt es alle Ergebnisse: http://www.aidshilfe.de/sites/default/files/positive_stimmen_ergebnisse_Wolfsburg.pdf

 

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