Gesellschaft
   10 Jahre
Foto: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Mehr HIV-Tests und mehr junge Positive

Rund 3.000 Menschen haben sich in Deutschland 2010 mit HIV infiziert. Der Wert ist konstant, dennoch steigt die Zahl junger Schwuler, deren Test positiv ausfällt. Die Deutsche Aidshilfe sieht kein gesteigertes Risikoverhalten, sondern eine erhöhte Testbereitschaft.

"Keine wesentliche Veränderung"

Knapp 3.000 HIV-Diagnosen im Jahr 2010: Das Robert-Koch-Institut in Berlin meldet "keine wesentliche Veränderung" im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus dem am 30. Mai veröffentlichten Epidemiologischen Bulletin Nr. 21/2011 des RKI hervor. Insgesamt wurden dem Institut im vergangenen Jahr die Ergebnisse von 2.918 positiven HIV-Tests gemeldet - eine normale Entwicklung.

Auch bei der Verteilung der Neudiagnosen auf die hauptsächlich betroffenen Gruppen gab es 2010 keine größeren Veränderungen. 68 Prozent der Neuinfektionen entfallen auf Männer, die Sex mit Männern haben, 17 Prozent auf Heterosexuelle, 11 Prozent auf Menschen, die aus Ländern stammen, in denen HIV besonders häufig ist

In der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), stieg die Zahl der Neudiagnosen um 2 Prozent auf 1684. Dennoch beruhigt Axel J. Schmidt vom RKI: "So kleine Veränderungen bei den gemeldeten Diagnosen sind kein Hinweis auf einen Anstieg der Neuinfektionen in dieser Gruppe."
Gleichwohl ist eine Zahl bemerkesnwert: Bei den schwulen Männern unter 30 gibt es einen deutlichen Anstiege der Infektionen. Am stärksten davon betroffen ist die Altergruppe der 20- bis 24-Jährigen: 213 Diagnosen wurden hier für das Jahr 2010 gemeldet, 2009 waren es noch 179. In Relation zur Zahl aller 20- bis 24-jährigen Männer ist die Häufigkeit der HIV-Diagnosen in dieser Gruppe in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, im letzten Jahr um 19 Prozent.

Mehr HIV-Tests
 
Einen Grund für die höheren Zahlen sehen die Forscher in der erhöhten Testbereitschaft schwuler Männer - mehr HIV-Tests bringen auch mehr HIV-positive Ergebnisse hervor. Das RKI geht allerdings auch davon aus, dass in dieser Altersgruppe tatsächlich immer mehr Infektionen stattfinden. Der Grund sei aber nicht eine Zunahme von Risikoverhalten. Es gebe im Wesentlichen drei Gründe:

1. Es gibt in dieser Altersgruppe mehr HIV-Positive, die noch nicht mit HIV-Medikamenten behandelt werden. Sie haben damit eine höhere Viruslast und können HIV leichter weitergeben.

2. Die Jüngeren sind häufiger mit anderen sexuell übertragbaren Erregern infiziert, zum Beispiel mit Chlamydien oder Gonokokken. Diese erhöhen das Risiko einer HIV-Übertragung.

3. Jüngere Schwule sind nach Ergebnissen der EMIS-Studie eher bereit auf Kondome verzichten, wenn der Partner angibt, HIV-negativ zu sein - was natürlich nicht den Tatsachen entsprechen muss.

Und noch ein Grund kommt hinzu: "Jüngere sind noch nicht so erfahren im Umgang mit Kondomen und sexuellen Situationen", sagt DAH-Schwulenreferent Dirk Sander. "Es gibt Hinweise darauf, dass es ihnen deshalb schwerer fällt als Älteren, ihr Schutzbedürfnis erfolgreich in die Tat umzusetzen."

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