Köln
   9 Jahre
Foto: Ralph Sondermann

Normalität herstellen

Seit dem 14. Juli amtiert die Grüne Barbara Steffens als Hausherrin im neu zugeschnittenen Landesministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter und ist damit auch kraft ihres Amtes für die Belange von Schwulen, Lesben, Bi’s und Transgendern verantwortlich. Torsten Bless befragte sie, was die Community von einer rot-grünen Minderheitsregierung zu erwarten hat.

"Der Abbau von Diskriminierung und Homophobie wird in der neuen Landesregierung eine Querschnittsaufgabe sein." So steht es im rot-grünen Koalitionsvertrag. Was kann man sich darunter vorstellen?

In vielen Bereichen der Gesellschaft spielt Homophobie noch eine Rolle. Man muss offen benennen, wo Diskriminierung stattfindet, und an den einzelnen Stellen versuchen, mit Aufklärung und mit dem großen Aktionsplan, den wir vorgesehen haben, den Abbau der Diskriminierung einzuleiten und Normalität herzustellen. Für mein Ressort heißt das: Wir müssen massiv gegen die Diskriminierung in der Gesundheits-, Pflege- und Altenpolitik steuern.

Sie haben ihn bereits erwähnt: "Wir werden für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender einen Aktionsplan gegen Homophobie auflegen", haben SPD und Grüne vereinbart. Wie kann der aussehen?

Es gibt ja schon ganz unterschiedliche Beispiele - etwa aus anderen Bundesländern -, an die man anknüpfen kann. Wenn man zum Beispiel in der Früherziehung Normalität herstellt, dann fängt mit zunehmendem Alter gar nicht erst die Schere im Kopf an. Homosexualität muss im fächerübergreifenden Unterricht Thema sein, dafür müssen die Lehrkräfte stark sensibilisiert werden. Wir hatten ja in Nordrhein-Westfalen mal das ganz bekannte Handbuch ("Mit Vielfalt umgehen: Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung", die Red.), das Schlagzeilen gemacht hat und in den schwarz-gelben Safe gepackt worden ist. In den letzten fünf Jahren habe ich eigentlich nicht bewusst erlebt, dass Schwulen- und Lesbenpolitik und die Diskriminierung von Schwulen und Lesben öffentlich irgendwo vorkam.

Die Vielfalt der unterschiedlichen Organisationen wolle man wieder "mit ausreichenden Mitteln ausstatten", heißt es. Wo soll das Geld dafür angesichts der angespannten Haushaltssituation herkommen?

Man wird natürlich im kommenden Haushalt verhandeln müssen, wie hoch die Mittel sein werden. Für mein Ressort werde ich mich für die nötigen Mittel im Bereich der Antidiskriminierung und Bekämpfung von Homophobie einsetzen. Es gibt aber auch hier Bereiche, die wenig bis keine zusätzlichen Mittel benötigen. Wir werden das alles sehr genau überprüfen.

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