Köln
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Tiefer Riss im KLuST-Vorstand

Eigentlich hatten sich die Mitglieder des Kölner Lesben- und Schwulentags (KLuST) auf eine ganz normale Mitgliederversammlung eingestellt. Gut, es standen Vorstandswahlen auf der Tagesordnung, aber vier der fünf Vorstände wollten wieder kandidieren, nur eine Vorstandsfrau musste ersetzt werden. Was sollte da schon großartig passieren? Doch dann der Knaller: Kurz vor der Wahl verlasen vier Vorstandstandsmitglieder eine ausführliche Erklärung gegen ihren fünften Kollegen. Man habe Jörg Kalitowitsch in der Vorstandssitzung vom 24. September das Vertrauen entzogen und ihn zum sofortigen Rücktritt aufgefordert.

Kern des Konflikts ist die CSD-Parade vom 6. Juli 2014. Jörg Kalitowitsch hatte wie bereits seit Jahren die Demonstration bei der Polizei angemeldet. Allerdings gab es in diesem Jahr eine Änderung: Die teilnehmenden Gruppen mussten die Gebühr nicht auf ein Konto des KLuST überweisen, sondern wurden von Jörg bei der Wagenleiterbesprechung in bar abkassiert. Dieses Verfahren war im Vorstand vorher nicht beschlossen worden.

In der Erklärung der vier Vorstandsmitglieder, die offensichtlich von einem Anwalt formuliert worden war, wurden zahlreiche Kritikpunkte aufgelistet. Genannt wurden steuerrechtliche und haftungsrechtliche Risiken, die Gefahr von Misstrauen und Ansehensverlust durch die Barzahlungen, die Missachtung von Entscheidungen der Mitgliederversammlung und des Vorstandes, ein irreparabler Vertrauensverlust und eine Gefährdung der Gemeinnützigkeit des Vereins. Jörg wurde aufgefordert, bis 30. November eine Abrechnung vorzulegen. An die Mitgliederversammlung wurde appelliert, Jörg nicht wiederzuwählen und einen Antrag zur künftigen Paradeorganisation zu beschließen, der als Tischvorlage eingereicht wurde.

Im Anschluss gelang es Jörg Kalitowitsch, die meisten der Vorwürfe zu entkräften. Er habe zur Abwicklung der Parade ein Gewerbe angemeldet, es sei alles korrekt gelaufen und nichts könne negativ auf den Verein zurückfallen. Er habe keine Gelder unterschlagen, sondern eher etwas nicht abgerechnet. Sein Angebot an den Vorstand zur Prüfung der Belege sei nicht angenommen worden, deshalb habe er damit nunmehr einen Wirtschaftsprüfer beauftragt.

Die Mitglieder fühlten sich nach diesen umfangreichen Statements erschlagen und waren offensichtlich ratlos über das weitere Vorgehen. Ex-Vorstand Markus Danuser schlug daraufhin vor, den Antrag und die Vorstandswahl zu vertagen: „Ich beteilige mich nicht an einer Hinrichtung und wähle dann einen neuen Vorstand.“ Auch Versammlungsleiterin Gabriele Bischoff, die um ihre Aufgabe nicht zu beneiden war, fand klare Worte: „Das geht so nicht. Ein Vorstand muss verdammt noch mal zusammenarbeiten.“

Am Ende beschlossen die Anwesenden die Verschiebung des Antrags und der Vorstandswahl auf eine neue Mitgliederversammlung im Januar. Dafür soll der Vorstand eine Darstellung der Fakten und Zusammenhänge verschicken. Jörg Kalitowitsch soll bis zum 30. November die Abrechnung vorlegen, die dann von einem fachlich versierten Mitglied geprüft wird.

Teilnehmer der Mitgliederversammlung wunderten sich anschließend über die Kommunikationsprobleme im Verein – sowohl innerhalb des Vorstandes als auch gegenüber den Mitgliedern. Ein derartiger Überraschungscoup inklusive Tischvorlage und vom Anwalt formulierter Erklärung entspreche nicht gerade der vom Vorstand selbst betriebenen Transparenzoffensive. Am Schluss blieb nur der Vorwurf der fehlenden Information übrig. Schatzmeisterin Daniela Voigt erklärte: „Das Einzige, was ich kritisiere, ist, dass ich erst vier Wochen nach der Parade zufällig erfahren habe – und das auch nur vom Büroleiter –, dass die Abrechnung nicht über den Verein gelaufen ist.“

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