Reise
   10 Jahre

Das Hoch im Norden

Eigentlich ist Sascha Albertsen ein Mann, der schon aus beruflichen Gründen viele Worte machen muss. Als Pressesprecher der Hamburg Tourismus haben er und seine Kollegen in der Vergangenheit bei einem Thema jedoch häufig geschwiegen. "Wir glauben, dass Hamburg eine unglaublich spannende, pulsierende Metropole ist, die auch für Schwule und Lesben ein phantastisches Angebot bereithält – nur darüber nicht spricht", sagt er – und will genau das künftig tun. Hamburg soll im Konzert der schwulen Metropolen neben Berlin und Köln eine gewichtigere Rolle spielen, schließlich ist die Stadt die zweitgrößte der Republik.

Christopher Street Day im August

Im August findet mit dem CSD zwar nicht die größte Veranstaltung dieser Art in Deutschland statt. Atmosphärisch kann sich das dreitätige Straßenfest an Jungfernstieg und Binnenalster aber allemal sehen lassen. Wo sonst wird schließlich mit Postkartenblick aufs Wasser gefeiert? Zum 30. Geburtstag lautet das Motto in diesem Jahr "Gleiche Rechte statt Blumen". Die Parade am 7. August startet traditionell in der Langen Reihe, da, wo das Homoherz der Stadt schlägt. St. Georg ist zwar Hamburgs kleinster Stadtteil, an Vielfalt mangelt es ihm aber nicht.

Als das Café Gnosa dort vor mehr als 20 Jahren als erstes schwules Tagescafé der Stadt eröffnete, lag um die Ecke noch der Babystrich. Heute leben Prominente wie Rocker Udo Lindenberg, Schauspieler Kostja Ullmann oder Sängerin Ina Müller im Viertel, die exzellenten Gnosa-Torten werden in der "Brigitte" lobend erwähnt, und manche bezeichnen die Lange Reihe längst als "Latte Macciato-Strich". In St. Georg residieren der katholische Erzbischof und die Leder- und Fetischszene Tür an Tür. Und wieder nur einen Steinwurf entfernt findet sich die größte Moscheendichte Norddeutschlands. Schwule, Muslime und Katholiken: Parallelwelten auf engstem Raum.

Tuntenlaufsteg

Wenn schon kein Strich, dann ist die Lange Reihe zumindest ein wunderbarer Tuntenlaufsteg. Vor dem Gnosa, der Generation Bar und dem Kyti Voo ist tägliches Schaulaufen angesagt. Hier sitzen abgehärtete Homos auch im November noch gerne draußen: Sehen und Gesehenwerden. Die Bellini Bar und die M+V-Gaststätte sind dieAusgangspunkte für das nächtliche Warm-up und bieten eine gute Alternative für Raucher (Bellini) oder Nichtraucher (M+V).

Nachts zieht es den Hamburger auf den Kiez. St. Pauli ist Rotlicht- und Amüsierviertel, die Reeperbahn die "geile Meile". Wer schnellen Sex sucht, wird in der "Mystery Hall" fündig, dem Cruising-Kino in der Talstraße. Wer es exotischer mag, findet an deren Ende den Transenstrich. Und natürlich gibt’s es auch die Etablissements für den solventen Herrn mit oder ohne Tschechischkenntnisse. St. Pauli steht aber für seine schwulen Besucher vor allem für Show und Party: Corny Littmann gründete hier sein legendäres Schmidt-Theater und bietet dort bis heute vielen Homo-Künstlern ein Zuhause. Nebenan im Operettenhaus wurde Hamburgs Ruf als Musicalhauptstadt begründet; derzeit laufen drei Großproduktionen in der Stadt, ein viertes Theater wird bald gebaut.

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